Kreisrat Hümmer ein Spielball der Behörden?


BAYREUTH. Seit mehreren Tagen sorgt der Fall um Kreisrat Hans Hümmer (FW) für politischen Streit und Verwunderung in der Bevölkerung. Dabei geht es um einen bekannten eigenwilligen Kreisrat und Geschäftsführer der Pegnitzer Wasserversorgung „Juragruppe“, und um eine Behörde, bei der offenbar viele Fehler passiert sind, die nun aber mit einer Pressemitteilung den Kreisrat rügt und öffentlich ins schlechte Licht stellt. Zu unrecht?




Es geht darum, dass Hümmer seit einigen Tagen ganz normal seinem Beruf nachgeht, obwohl er sich nach Ansicht der Kritiker eigentlich noch bis Montag zu Hause in Quarantäne befinden müsste. Die CSU verurteilt dieses Verhalten zutiefst, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Chef der Freien Wähler missachte die derzeitigen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. In einem Eilantrag fordert die CSU das Landratsamt auf, zusammen mit dem Gesundheitsamt Stellung zu beziehen. Die Sache hat Zündstoff, weil gerade Politiker wie Hans Hümmer natürlich Vorbildfunktion haben.

Am 1. März begann die Geschichte, als Hans Hümmer, der Geschäfts- und Werkleiter der Juragruppe ZV Wasserversorgung in seiner Funktion als Kreisrat der Ältestenausschusssitzung des Kreistags beiwohnte. Denn nach einem positiven Coronafall eines anderen Teilnehmers sollte auch Hümmer in Quarantäne gehen. Nach unseren Informationen mussten alle Teilnehmer und auch Landrat Wiedemann in eine zweiwöchige Quarantäne. Die erste Information dazu erreichte Hümmer nach eigenen Angaben zwei Tage nach der Sitzung durch einen Anruf von Hollfelds Bürgermeister Stern. Hümmer begab sich deshalb umgehend und vorsorglich ohne amtlichen Bescheid in Isolation in den eigenen vier Wänden. Dort angekommen, habe er vernommen, dass ihn das Landratsamt versucht hat, zu kontaktieren.

Als Kontakt 2 deklariert

Hümmer habe deswegen umgehend zurückgerufen. Von seiner Gesprächspartnerin erhielt er die Mitteilung, dass er 14 Tage in Quarantäne müsse. Er fragte nach eigenen Angaben, bzgl. dieser Quaratäneanordnung nach und klärte die Dame insbesondere darüber auf, dass er genügend Abstand zu den anderen Teilnehmern gehalten habe und während der gesamten Zeit der Sitzung nicht nur wie vorgeschrieben eine FFP2-Maske getragen, sondern diese auch in regelmäßigen Abständen von nicht mehr als 20 Minuten  gegen eine neue ausgetauscht habe. Hümmer habe ihr weiter mitgeteilt, dass er aufgrund dessen keinen Grund für eine entsprechende Anordnung sehe und erhielt die Auskunft, dass man aufgrund der Ausführungen Rücksprache nehmen würde und sich erneut bei ihm melden würde. Dies geschah dann auch bereits nach einigen Minuten und Hümmer erhielt die Mitteilung, dass man mit einer Ärztin gesprochen habe, die ebenfalls keinen Anlass sehe, den Kreisrat als Kontaktperson der Stufe 1 anzusehen, weshalb eine Quarantäne nicht notwendig sei bzw. die zunächst verhängte Quarantäne aufgehoben würde.



Doch wieder Kontakt 1 

Einen weiteren Tag später, also am Donnerstagmittag, den 04.03.2021 erhielt Hümmer nach eigenen Angaben einen weiteren Anruf. Nun soll sich eine Ärztin des Gesundheitsamtes vorgestellt haben. Diese habe mitgeteilt, dass sie ihre medizinische Beurteilung der Sachlage vom Vortag korrigieren müsse, er als Kontaktperson der Stufe 1 anzusehen sei und deshalb in Quarantäne zu versetzen sei. Hümmer habe erneut auf sein absolut vorschriftsmäßiges Verhalten hingewiesen und teilte ihr mit, dass er die wiederum nunmehr vorgenommene Kehrtwende nicht nachvollziehen könne und deshalb darauf bestehe, von dem tatsächlichen Veranlasser dieser Kehrtwende informiert zu werden. Hümmer, der als resolut und eigenwillig gilt, bestand auf eine Klärung.

Zurück zu Kontakt 2

Wie Hümmer unserem Redaktionsleiter mitteilte, kam es dann am Freitag, den 05.03.2021 zu einem Telefonat zwischen ihm und dem derzeitig tätigen Leiter des Gesundheitsamtes. In dem fast einstündigen Gespräch zwischen Ansgar Scherl und Hans Hümmer, habe der Kreisrat unter anderem darauf hingewiesen, dass er nahezu täglich durch einen Arzt getestet werde und er auch sein entsprechendes „corona-konformes Verhalten in der Sitzung“ schilderte. Als Ergebnis soll Scherl dann überzeugt gewesen sein und teilte abschließend mit, man könne Hümmer dann weiter als Kontaktperson der Stufe 2 ansehen. Eine Quarantäne sei also nicht notwendig.

Das Landratsamt schreibt dazu:

Es ist richtig, dass Herr Hümmer als Teilnehmer der Sitzungen des Ältesten- und Kreisausschusses im Landratsamt Bayreuth am Montag, den 01. März 2021, zunächst von der Kontaktermittlung wegen Einwänden des Betroffenen (regelmäßiges Wechseln der Maske) am 03. März 2021 als Kontaktperson 2 eingestuft wurde; dies wurde ihm am
selben Tag per E-Mail zugestellt. Diese Entscheidung wurde bereits am Folgetag nach einer Neubewertung der Umstände des Einzelfalls telefonisch korrigiert – hier wurde Herr Hümmer als Kontaktperson 1 eingestuft. Die unmittelbare Nähe zum Indexfall und die Länge der Sitzungen waren für diese Entscheidung maßgeblich. Der Betroffene reagierte auf diese Mitteilung erbost und zeigte sich uneinsichtig und verständnislos; er sieht sich bis heute als Kontaktperson 2.



Hans Hümmer wurde vom Gesundheitsamt in mehreren Telefonaten aufgefordert, sich entsprechend den Maßgaben als KP1-Person zu verhalten und die Quarantäne strikt
einzuhalten. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung wegen Verstößen gegen die Quarantäne-Regeln wurde Herrn Hümmer eine ausführliche Erklärung und die schriftliche Einstufung als KP1-Person am 10. März 2021 per Mail übermittelt.

Am Dienstag nach dem Wochenende, also am 09.03.2021, will Hümmer nach eigenen Angaben eine Mail an das Gesundheitsamt gesendet haben.  Nachweise über insgesamt acht negative Testberichte. Kurz darauf erfolgt dann auf Veranlassung von Hümmer noch ein weiteres, wieder fast halbstündiges Telefonat mit dem Leiter der Behörde. Auch in diesem Gespräch war nicht mehr die Rede von einer erneuten Neueinstufung als Kontaktperson der Stufe 1. Eine schriftliche Einstufung als KPI 1-Person, die am 10. März 2021 per mail erfolgt sein soll, hat Hümmer angeblich nie erhalten.  Hümmer bestätigte zudem, dass er bereits am Dienstag an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt ist. Zur Begründung führte er unter anderem an, er sei als Geschäftsführer eines Wasserversorgers hoch systemrelevant und außerdem jeden Tag negativ getestet worden.

Auf Nachfrage von Bayern-Reporter, ob die von Hümmer geschilderten Inhalte stimmen, kam keine Reaktion seitens der Behörde. Eine am 18.03. gestellte Presseanfrage wurde zunächst ignoriert. Auf erneute Nachfrage vom 19.03.2021 teilte eine Sprecherin des Landratsamtes mit, dass man auf Grund von Zeitdrucks sich vor dem Wochenende nicht mehr äußern könne. Als über das Wochenende und auch am Montag keine Reaktion erfolgte, stellte die Redaktion eine vierte Anfrage, die dann am Nachmittag mit folgenden Worten abgeschmettert wurde:

Da sich Ihre Frage auf ein aktuell laufendes Verfahren bezieht, in dem der genannte Vorgang im Detail aufgearbeitet wird, können wir dazu im Moment leider keine weitere Auskunft geben. (Landratsamt Bayreuth, Büro des Landrats). 

 



Aufgrund der Kommunikation mit den verschiedenen Personen des Gesundheitsamtes und insbesondere aufgrund der beiden Gespräche mit dem Leiter der Behörde, ist Hümmer vom letzten Stand ausgegangen, dass er aufgrund seines Verhaltens als Kontaktperson der Stufe 2 eingestuft wurde und eine Quarantäne damit -wie ihm ausdrücklich gesagt wurde- nicht notwendig ist. Auch in der darauffolgenden Zeit habe er sich selbstverständlich weiter testen lassen. Aufgrund all dieser Umstände sei er „natürlich sehr irritiert, dass ihm in der Pressemitteilung des Landratsamts der Vorwurf gemacht wird, er habe sich als Person des öffentlichen Lebens nicht an die geltenden Regelungen der Pandemie gehalten.

Hümmer teilte zudem mit, dass er in Folge der Situation auch keine öffentlichen Termine (z.B. die Stadtratssitzung) wahrgenommen habe. Gegenüber Radio Mainwelle sagte Hümmer, er bleibe gelassen und werde jetzt Strafanzeige gegen die CSU stellen; wegen übler Nachrede. Doch das geht nicht, sagte der Kreisrat am Montag (22.03.2021) im Interview mit Bayern-Reporter, da der Antrag inhaltlich bislang nicht öffentlich wurde und daher das Tatbestandsmerkmal für die üble Nachrede nicht erfüllt sei.




Shitstorm in den sozialen Netzwerken 

ein Kommentar von Markus Roider

Im Internet musste Hans Hümmer einen Shitstorm ertragen, der auch von den örtlichen Medien befeuert wurde. Ohne Hinterfragung, ohne Stellungnahmen, wurde die Pressemitteilung des Landrats fast überall veröffentlicht und publiziert. Keine journalistische Meisterleistung der Kollegen, wie ich meine. Egal wie man über Hümmer denkt, hier wurde er vermutlich Opfer fehlender behördlicher Kommunikation. Seine Haltung im Leupser Wasserstreit ist ebenso umstritten wie sein Verhalten in der Coronakrise. In Trockau hat man sich erzählt, dass Hümmer als Kirchenverwaltungsvorstand einen Kindergarten-Elternabend abhielt, wo er keine Maske trug. Er soll auch die Kindergartenleitung „abgesägt“ haben, während diese krank war. Er habe Eltern ohne Maske in den Kindergarten gelassen, und vieles mehr. Fast jedes Gerücht wurde von unserer Redaktion hinterleuchtet und konnte widerlegt werden.

Hümmer mag ehrgeizig und eigenwillig sein. Und man bekommt auch schnell den Verdacht, dass Hümmer, der gut reden und sich nett verkaufen kann, durch lange Diskussionen seinen Gesprächspartner aktiv beeinflussen und verwirren kann. In der Folge kam wohl auch das Landratsamt ins Straucheln. Doch davon sollte sich eine Behörde nicht beeindrucken lassen. Durch das ständige hin und her kann man wohl nicht mehr zweifelsfrei feststellen, was wirklich Sache war. Hier hätte das Landratsamt im Zweifelsfall einen Bescheid erlassen oder anordnen müssen.

Hümmer hingegen muss sich den Vorwurf gefallen lassen, warum ausgerechnet er alleine als Geschäftsführer eines Wasserversorgers hoch systemrelevant sei. Im Internet kam die Frage auf, ob er denn nicht in der Lage sei, die Geschäfte so zu führen, dass auch ein Stellvertreter diese erledigen kann. Die Juragruppe sei damit angreifbar, wenn Hümmer nicht mehr geschäftsfähig ist. Doch hier widersprecht der Geschäftsführer. Denn die Juragruppe sei auch ohne ihn voll arbeitsfähig. Hierzu gebe es im Rahmen der QM sogar festgeschriebene Pläne. In den letzten Wochen ging es jedoch um den Grundstückerwerb im Zusammenhang mit Leitungsbau, „der dieses Jahr noch abgeschlossen werden muss“, sagt Hümmer. Die Geschäftspartner erwarten hier natürlich mit dem „Chef“ zu verhandeln, wenn irgendwie möglich. Daher habe Hümmer diese Termine wahrgenommen.

 



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