Nach Enthauptung in Paris: Fränkischer Imam bekommt Morddrohung


NÜRNBERG/BERLIN. Nach der Enthauptung eines Lehrers in Frankreich, wurde nun auch ein liberaler Imam aus Deutschland massiv bedroht.




Christian Awhan Hermann ist konvertierter Muslim und ein offen homosexuell liberaler Imam. Im Internet kümmert sich der ausgebildete Imam vor allem um Muslime, die verunglimpft, unterdrückt und diskriminiert werden. Er selbst sagt über sich, Seelsorge zu betreiben. Doch nun rückt er selbst in den Fokus der Hater.

Der liberale Imam sagt offen, dass er homosexueller Muslim sei. Konservative Muslime haben in den letzten Tagen und Stunden sein Leben bedroht, nachdem Hermann sich von islamistischen Anschlägen ebenso distanzierte wie von Ausländerfeindlichkeit und fundamentalistischer Propaganda. Man müsse ihn sofort enthaupten, war nun der Gipfel weiterer vorangegangener Bedrohungen und Beleidigungen.



Nach eigenen Angaben, sollen die Morddrohungen noch am Mittwoch angezeigt werden. Hermann wurde vor allem kritisiert, weil er mit der Drohung lieber erst live gegangen ist bei tik tok, statt Anzeige zu erstatten. Mit seinen Mitstreitern diskutiert er seither durchgehend live im Internet. Den Mann, der Hermann bedrohte, bezeichnet der Imam dennoch als seinen Bruder und unterstreicht damit nochmals seine liberale Position und die Liebe zum Islam.



@imam.awhan

@ismailwahabow antworten #lieblingsimam

♬ Originalton – Imam Awhan

Christian Awhan Hermann wurde 1970 in Koblenz geboren, aufgewachsen ist er in Nürnberg und Fürth, wo er auch lange Zeit noch lebte. 1988 trat Hermann aus der evangelischen Kirche aus, 1989 hatte er sein Coming-out. 2006 folgte der Umzug nach Berlin. Von Oktober 2017 bis März 2018 war er Mitarbeiter in der progressiven Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, seit November 2017 erhielt er eine islamische Ausbildung durch Imam Ludovic-Mo­ha­med Zahed (Frankreich). Hermann ist passionierter Rugbyspieler: Er war Spieler bei den queeren Berlin Bruisers. Vor der Pandemie trainierte er die Berlin Grizzlies. Nach eigenem Bekunden „politisch tendenziell eher links und seit 28 Jahren Grünen-Wähler“. Er lebt mit seinen zwei Katzen in Berlin-Kreuzberg. Im Dezember hat er den Verein Kalima gegründet. Der Verein will Anlaufstelle sein für zeitgemäß lebende, inklusiv denkende Muslim*innen im Allgemeinen und für LGBTIQ*-Muslim*innen im Speziellen, will Beratung, Unterstützung, Seelsorge und religiöse Praxis anbieten. Kalima, sagt Hermann, soll eine Begegnungsstätte für Mus­lim*in­nen mit Anders- und Nichtgläubigen sein. Man wolle einen Ort freier und zeitgemäßer islamischer Religionsausübung schaffen. Sein größter Wunsch ist eine eigene Moschee. Hierzu bittet Hermann um Spenden; ebenso für seinen Lebensunterhalt, da er selbst krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten kann. 

 



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