Pegnitz & Umgebung: Rehkitzrettung in der Wiese


OBERFRANKEN. Es ist eine gefährliche Zeit für Wildtiere. Denn die Futterernte auf den Wiesen trifft genau mit der Setzzeit von Rehen, Junghasen und Wiesenbrütern zusammen. Im Mai und Juni werden die Rehkitze geboren und von ihrer Mutter ins hochstehende Gras gesetzt, weil sie ihren Nachwuchs dort sicher wähnen. Diese Überlebensstrategie schützt Kitze und Junghasen zwar vor ihren natürlichen Feinden, nicht aber vor dem Mähwerk. Wenn das über die Wiese gleitet, wird es lebensgefährlich für die jungen Tiere.




In ganz Oberfranken, und besonders im Pegnitzer Raum, haben sich Menschen vereint, um diese Wildtiere vor dem sicheren Tod zu bewahren. Mit Drohnen und Menschenketten werden die Tiere vor dem Abmähen der Wiesen aufgespürt. Nach Einschätzung von Experten werden bundesweit jährlich allein rund 100 000 Rehkitze bei der ersten Grünland-Mahd grausam verstümmelt oder getötet. Das Problem: Der bei Jungtieren noch vorhandene Fluchtinstinkt lässt sie auch bei großer Gefahr nicht flüchten. Ihrem angeborenen Schutzverhalten entsprechend drücken sie sich instinktiv in ihr Versteck. Das bedeutet meist den sicheren, aber auch qualvollen Tod.

Foto: Privat



Neudorfer Landwirt rief um Hilfe

Landwirte, Jagdpächter und Vereine arbeiten eng zusammen, damit so etwas nicht passiert. Über WhatsApp Gruppen werden Helfer mobilisiert und kurzfristig Hilfsaktionen geplant, wo dann Menschen organisiert durch die Wiesen laufen und nach den Kitzen Ausschau halten. So konnten alleine am letzten Wochenende in Oberfranken mehr als 12 Kitze gerettet werden. Auf die letzten Wochen gerechnet, sind das schon mehr als 200 Tiere.

In Pegnitz trafen sich am Dienstagnachmittag mehrere Dutzend Menschen zusammen, um einen Landwirt zu unterstützen, der seine Wiesen abmähen wollte. Auch viele Kinder waren dabei. Der Biobauer Markus Schmidt (40) hat von sich aus um Hilfe gebeten, damit den Tieren kein Leid zugefügt wird. In der Spitze waren 34 Helfer zusammen gekommen. Angst, dass die vielen Menschen alles platt trampeln hat Schmidt nicht, wie er sagt. „Wenn es am Ende ein Ballen weniger ist, haben wir wenigstens die Tiere gerettet; das ist es wert“, sagt der 40-Jährige gegenüber Bayern-Reporter. Er hat zum ersten Mal die Kitzretter gerufen und er würde es wieder tun, wie er sagt. Auch seine Frau Verena (30) war begeistert. „Ich bin wirklich super überrascht, dass uns so viele Menschen unterstützt haben“. Die 30-Jährige ist sogar selbst mitgelaufen, ihr Mann kümmerte sich um das Mähen.

Bislang nutzen nur wenige Landwirte diesen „Service“ der Rehkitz-Rettung. Obwohl die Aktionen nichts kosten. „Alles ehrenamtlich“, sagen die Helfer. Ausrüstung und Material habe man aus rein privater Tasche gezahlt. Bayern-Reporter hat bereits angekündigt, in neue Ausrüstung zu investieren, „damit die Retter stets einsatzklar sind“, teilte Redaktionsleiter Markus Roider mit. Erste Gespräche soll es in den kommenden Tagen geben. Spenden dazu können an „Bayern-Reporter hilft“ gerichtet werden.




Ein Rehkitz gerettet

Im Verlauf des Dienstags haben die Pegnitzer Retter im Raum Neudorf und Lüglas insgesamt sechs Wiesen abgesucht; eine davon mit einer Drohne. Retten mussten sie diesmal nichts. Lediglich ein Tier wurde auf einer siebten Wiese bei Lüglas gefunden und gerettet. Dort war der zuständige Landwirt selbst tätig. Enttäuscht sind die Kitzretter aber nicht, wie Mitorganisatorin Jessica Zitzmann (29) sagt. „Auf der einen Seite ist es eine mega Motivation, wenn man eines gefunden hat. Auf der anderen Seite ist man aber froh, wenn die Kitze bereits so groß sind und selber mitlaufen können bzw. abhauen.“ Denn aktuell sei die Zeit schon sehr fortgeschritten. Viele Kitze sind schon groß und achten selbst auf sich.

„Außerdem ist es immer eine riesen Anspannung wenn eines vor einem liegt“, sagt Jessica Zitzmann. „Man macht sich auch hinterher Gedanken, ob die Mutter es wieder abgeholt hat bzw. ob man alles richtig gemacht hat“. Damit die Kitze nicht abgestoßen werden, benutzen die Helfer Handschuhe und frisches Gras, wenn sie die Jungtiere anfassen.



Bayern-Reporter hilft

Auch wir von „Bayern-Reporter hilft“ haben das Vorhaben unterstützt. Neben der Errichtung von WhatsApp Gruppen und der Verbreitung der Treffpunkte diverser Rettungsaktionen, organisierte unser Team Kaltgetränke und Sonnencreme für die Helfer. Zudem hat unser Reporter kostenlos die weiteren Medien informiert und Foto – sowie Videomaterial zusammengestellt, welches von den Rehkitz-Rettern genutzt werden kann. Ein großer Dank geht in diesem Zusammenhang an alle Menschen, die uns stets finanziell unterstützen. Nur so können wir spontan und gemeinnützig helfen (Spendenkonto Paypal: Soforthilfe BayernReporter). Ein weiterer Dank geht heute an die Gaststätte „Zum Geyer“, die uns ebenfalls mit Kaltgetränken für die Helfer versorgt hat.

Hier die nächsten Rehkitz-Termine:

24.06.2020. 07.00 Uhr: Poppendorf / Hütten

Weitere Infos in den regionalen WhatsApp Gruppen: 

Rehkitz-Retter Ahorntal

Rehkitz-Retter Pegnitz

Rehkitz-Retter Betzenstein

Rehkitz-Retter Pottenstein

Rehkitz-Retter Nürnberger Land 

Rehkitz-Retter Bayreuth/Kulmbach

Wer den Rehkitz-Rettern helfen will, kann sich in den jeweiligen WhatsApp-Gruppen melden oder über die Facebookseite Pegnitz schützt die Kitze.



Menschenkette für Tiere.

 

 



 

 

So sehen gerettete Kitze aus.

 



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