„Black Lives Matter“: Stiller Protest in Nürnberg


NÜRNBERG. Mehr als 6.000 Menschen haben sich am Samstag zu einem friedlichen und stillen Protest auf der Wöhrder Wiese in Nürnberg zusammengefunden. Sie demonstrierten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Anlass war der gewaltvolle Tod von George Floyd in den Vereinigten Staaten.




Bei der ersten von zwei Versammlungen an diesem Tag, ging es von 13:00 Uhr bis 14:30 Uhr gegen Rassismus. Ursprünglich waren 400 Teilnehmer angemeldet. Als bereits vor Beginn so reger Zulauf herrschte, dass die angemeldete Teilnehmerzahl wohl weit überschritten werden würde, wurde in direkter Absprache zwischen der Sicherheitsbehörde und der Polizeiführung die Veranstaltungsfläche erweitert, um den Teilnehmern die Einhaltung der Abstände zu ermöglichen.



In der Spitze waren nach Polizeiangaben etwa 5000 Versammlungsteilnehmer vor Ort. Weil aber nur die Menschen auf der Wiese gezählt wurden, rechnet man damit, dass sich rund 6.000 Bürger eingefunden haben. Beide Kundgebungen wurden mit zeitlichem Unterschied auf der Wöhrder Wiese abgehalten. Im unmittelbaren Innenstadtbereich wurde erneut keine Versammlung vom Ordnungsamt der Stadt Nürnberg zugelassen. Zudem galten auch heute die spezifischen Regelungen zum Infektionsschutz, wie etwa die Einhaltung des Mindestabstands unter den anwesenden Personen.

Black Lives Matter-Sprechchöre

Egal, wen unser Reporter vor Ort befragte; immer wieder dieselbe Antwort: „überwältigend“. Auch der Veranstalter selbst war überrascht, wieviele Menschen zusammengekommen sind. Die Initiative „Silent Protest Nürnberg – Nein zu Rassismus“ hatte zu der Veranstaltung aufgerufen, die auch in anderen deutschen Städten stattfand. Anlässlich des kürzlich von einem weißen Polizisten in den USA getöteten Afroamerikaners George Floyd. Organisator Danial Eshete (24) betonte, dass man weder Organisation noch Institution sei. Er habe es einfach nicht mehr ausgehalten, dass seine „Brüder und Schwestern tagtäglich ermordet werden“. Deswegen habe er den Protest ins Leben gerufen. Unterstützung habe er sich mit seinen Mitstreitern bei “ Fridays for Future“ geholt. Denn von Demonstrationen hatte bislang keiner eine Ahnung.



Immer wieder schallte „Black Lives Matter“ über die Wiese. Zahlreiche Schilder, T-Shirts oder auch Mund-Nasen-Masken wurden gestaltet, um dem stillen Protest Nachdruck zu verleihen. „I can’t breathe“ – Ich kann nicht atmen, lies dabei vielen Menschen den selbigen stocken. Denn es waren die letzten Worte von Floyd, bevor er gestorben ist. Viele Menschen haben sich schwarz gekleidet; aus Solidarität und Trauer. Man spürte schnell, dass diese Demo weder aus Jux, noch Tollerei stattfand. Niemand hatte Spaß daran, aber jeder war mit Eifer dabei.



„Bitte kommt nicht“

An der zweiten Versammlung von 15:30 Uhr bis 16:30 Uhr mit Bezug zur Corona-Situation nahmen etwa 450 Personen teil. Im Vorfeld hatten hier einige Teilnehmer im Internet empfohlen, nicht zu erscheinen. Dies betraf aber vor allem die umstrittene Bewegung „Widerstand 100“, oder auch „Corona-Rebellen“ genannt. Sie gaben teilweise an, dass es „von Schwarzen und Maskierten nur so wimmelt“.

Beide Versammlungen verliefen trotzdem absolut friedlich und störungsfrei. Nur kurzfristig kam es zu „Nazis raus!“ – Rufen, als am Rande der ersten Demonstration rechts populistische Störer auftraten. Sie erhielten einen Platzverweis. Die Polizeikräfte wirkten bei beiden Kundgebungen immer wieder darauf hin, die Abstände einzuhalten. Dazu wurden auch Lautsprecherdurchsagen durchgeführt. Die Polizei trat zurückhaltend und deeskalierend auf. Im Einsatz waren unter Leitung des Polizeipräsidiums Mittelfranken sowohl mittelfränkische Polizeibeamte, als auch geschlossene Einheiten der Bayerischen Bereitschaftspolizei.




Wir haben zwei junge Frauen bei der Demo begleitet. Das gesamte Interview und die Reportage dazu finden Sie am Montag bei SAT1. Dann verraten wir auch, warum Tränen geflossen sind. Hier schon mal ein erster Eindruck:

Weitere Fotos zu der Veranstaltung: Pressefotograf Markus Roider



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