Verschwundenes Geld, Sex und betäubte Bewohner: Heftige Vorwürfe gegen Pflegeheimleitung


LKR KULMBACH. Die ehemalige Mitarbeiterin eines Pflegeheims im westlichen Landkreis Kulmbach erhebt schwere Vorwürfe gegen die Heimleitung. Zu dem Thema erreichte uns ein Leserbrief, dem wir nachgegangen sind. Gleich reihenweise packt die selbsternannte Whistleblowerin ein Thema nach dem anderen auf den Tisch. Bewohner würde man mit Betäubungsmittel ruhigstellen, Angestellte hätten Sex auf den Stationen und die Heimleiterin hätte Geld unterschlagen. Das Pflegeheim wehrt sich jetzt gegen die ständigen Anschuldigungen und erstattet Anzeige wegen Verleumdung.




Es klingt wie ein schlechter Netflixfilm. Ein möglicher Skandal in einem ländlichen Pflegeheim. Hinter verschlossenen Türen sollen Bewohner mit Betäubungsmitteln ruhig gestellt werden. Unter dem Deckmantel der Heimleiterin und ohne ärztlicher Anordnung, sagt Whistleblowerin Katrin Herath. In der Unterwäsche einer Bewohnerin habe man zudem 2.000 Euro Bargeld gefunden. Es sei der Heimleitung übergeben worden, sagt Herath. Doch dem Sohn der Bewohnerin habe man dann nur wenige hundert Euro übergeben, die er dann der Einrichtung gespendet hat. Den Rest habe man sich schwarz eingesteckt. „Es wurde kein Geld gestohlen“, sagt die Heimleitung pauschal. Zu einem möglichen Bargeldfund will man sich aber auf direkte Nachfrage nicht äußern.

Aber es geht noch weiter. Die Heimleiterin soll eine eigene Angehörige im Heim bevorzugen. Man stelle ihr kostenlos Getränke zur Verfügung, während andere Bewohner dafür bezahlen müssen. „Als sie mal ins Krankenhaus musste und zeitgleich ein anderer Bewohner auch, forderte man für die Mutter der Heimleitung einen Hubschrauber an und für den anderern Bewohner einen Rettungswagen“. Dass sowas nicht sein kann, bestätigen mehrere Rettungskräfte und auch das BRK selbst. Die Koordination der Rettungsmittel übernimmt ausschließlich die Leitstelle oder ein örtlicher organisatorischer Einsatzleiter, heißt es auf Nachfrage. Dass es seitens der Heimleitung aber dennoch so eine Forderung gab, kann nicht belegt werden.



Vorwürfe an den Haaren herbeigezogen

Der nächste Vorwurf: Auf den Stationen haben die Angestellten Sex. Mitten drin steckt angeblich wieder die Heimleiterin. Beweise: Keine; nur ehemalige Mitarbeiter, die nicht genannt werden wollen. Mehrere Zeugen, wieder ehemalige Mitarbeiter, sollen die meisten Vorwürfe bestätigen können. Seit vielen Wochen schon erreichen unsere Redaktion die verschiedenen Anschuldigungen gegen das Heim. Bislang jedoch immer nur von einer Person vorgetragen; Katrin Herath. Sie versteckt sich nicht hinter Pseudonymen; sie will aufklären, wie sie sagt. Bis zu acht Zeugen wurden benannt, diese haben sich allerdings bis heute nicht gemeldet. Die Hauptbelastungszeugin wegen der Unterschlagung des Geldes, Heidrun K. (Name geändert),  gab an, lieber nichts mehr sagen zu wollen. Sie würde sonst „zu viele Leute mit reinziehen“. Allerdings habe sie Kontakt zu vielen ehemaligen Mitarbeitern, die angeblich „unter der Heimleitung gelitten“ hätten. „Wir sind da jetzt alle weg und haben damit abgeschlossen“, schreibt sie per Kurznachrichtendienst.

Die Heimleitung, die wir wegen der unbelegbaren Vorwürfe ebenso wie die Einrichtung nicht namentlich erwähnen, hat eine eigene Theorie, wie es zu den Anschuldigungen kommt. Offenbar wurde der ehemaligen Mitarbeiterin, unabhängig von Corona, der Kontakt zu den Bewohnern verboten. Insbesonders zu einer Dame, die unter Betreuung steht, und deren Tochter den Kontakt unterbunden hatte. Anfangs, das beweisen zahlreiche Mails zwischen Betreuerin und Ex-Mitarbeiterin, war der Kontakt noch zugelassen und erwünscht, denn die betagte Bewohnerin baute ein vertrauliches Verhältnis mit der ehemaligen gerontopsychiatrischen Fachkraft der Einrichtung auf. Man traf sich privat, unternahm Ausflüge und lernte die jeweils andere Familie kennen. Doch plötzlich war alles vorbei.



Ermittlungen und Anwaltsbriefe

Trotz mehrfacher Bemühungen, blieben die jüngsten Versuche der Kontaktaufnahme durch die ehemalige Mitarbeiterin vergebens. Sie schickte Briefe an die Bewohnerin, versuchte anzurufen, schickte ein Handy an die alte Dame. „Alles abgefangen“, sagt Katrin Herath. Es sei mit dem Vermerk zurückgesendet worden, dass weitere Einsendungen unterlassen werden sollen. „Mit Verweis auf die Betreuung“, ergänzt Herath. Dennoch verschickt sie wöchentlich Briefe und Pakte, wie sie sagt.

Warum die Betreuerin und Tochter jetzt den Kontakt zu Katrin Herath unterbindet, ist unklar. „Gegen Weihnachten war alles noch friedlich und freundlich“, sagt Herath. Aber die Seniorin hätte im Januar eine Panikattacke erlitten, die auf Herath zurückzuführen sei, weil sie der Bewohnerin geraten habe, in ein anderes Haus umzuziehen. „Stimmt nicht“, sagt Herath, deren Vornnamen die Bewohnerin genannt habe. Doch den habe sich die Demenzkranke angeblich noch nie merken können.



Jetzt hat die ehemalige Mitarbeiterin selbst einen Anwalt eingeschaltet. Sie will wissen, ob es rechtens ist, dass die Tochter gegen den mutmaßlichen Willen der Mutter handelt und ob das die gerichtlich auferlegte Aufgabenerfüllung der Betreuung auch wirklich mit beinhaltet. Denn, und damit ist sich Herath ganz sicher, „die alte Dame im Pflegeheim leidet unter dem Kontaktverbot“. Dabei kann sie nichts schlechtes über die Tochter sagen. „Ich mag sie total gerne, aber seit einem halben Jahr ist sie völlig ausgewechselt“.

Für die Gegenseite ist klar: Herath hat sich das Pflegeheim als Sündenbock herausgesucht, weil der Kontakt unterbunden wurde. Deswegen würde sie auch die „grundlosen Beschuldigungen“ veröffentlichen. Die Heimleitung beruft sich auf laufende Ermittlungen und will derzeit nichts zu dem Thema sagen. Außer: „Es wurde kein Geld gestohlen“. Ob etwas unterschlagen wurde, dazu äußerte man sich nicht. Allerdings wurde bis heute noch keine Anzeige erstattet. Weder wegen der angeblichen Ruhigstellung der Bewohner, noch wegen des Geldes. Aber gegen Katrin Herath wird ermittelt: Wegen Verleumdung. Doch die 32-Jährige will nicht aufgeben. Sie kämpft weiter; für sich und die Bewohnerin.

Nachtrag: Bei der Redaktion hat sich eine Belastungszeugin wegen der Unterschlagung gemeldet, die auch vor Gericht aussagen würde. Der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft.

Leserbrief: Altenheim soll unabhängig von Corona Kontakte von Bewohnern unterbinden



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