Erlangen: RKI begrüßt Zulassung von therapeutischem Blutplasma gegen Covid19


ERLANGEN. Die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen hat jetzt als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland die behördliche Gestattung zur Herstellung von therapeutischen Plasma zur Behandlung von schwer erkrankten COVID-19-Patientinnen und Patienten erhalten.





„Wir sind sehr froh und dankbar für die zügige Bearbeitung unserer Antragsunterlagen durch die Regierung von Oberfranken“, sagt Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen. „Wir waren bereits seit vielen Wochen in intensivem Kontakt mit der Regierung von Oberfranken. Dieser Einsatz hat sich gelohnt“, ergänzt Prof. Hackstein. Seit 1. Oktober 2013 ist die Regierung von Oberfranken für die Überwachung des Verkehrs mit Arzneimitteln und nichtaktiven Medizinprodukten in den Regierungsbezirken Oberpfalz sowie Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken zuständig.

Die Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen darf nun COVID-19-Immunplasma für schwer kranke Patientinnen und Patienten herstellen und anwenden. „Aufgrund der äußerst positiven Resonanz auf unseren Spendenaufruf an ehemalige Corona-Patienten kann die Apherese-Plasma-Produktion ab sofort starten“, berichtet Prof. Hackstein.



Am vergangenen Donnerstag hatte Prof. Hackstein ehemalige Corona-Patientinnen und Patienten in Franken zu einer Blutplasmaspende aufgerufen. Innerhalb weniger Stunden hatten sich über 200 Personen gemeldet, die an COVID-19 erkrankt waren und Blutplasma spenden wollten. „Das waren viel mehr, als wir zum jetzigen Zeitpunkt in unser Programm aufnehmen konnten“, freut sich Prof. Hackstein. „Aktuell suchen wir auch keine weiteren Spender mehr.“

Die ehemaligen COVID-19-Patientinnen und Patienten werden nun einzeln evaluiert. „Wichtig war, dass sie einen positiven Coronavirustest zu Beginn und möglichst zwei negative Tests am Ende der Erkrankung nachweisen konnten. Die Blutplasmaspende dauert ungefähr 45 Minuten und ist für die Spender nicht belastender als eine normale Blutspende“, erläutert Prof. Hackstein. Ihr Körper hat nach einer COVID-19-Infektion spezifische Antikörper gegen das Virus gebildet, die nun mit einer Apheresemaschine aus dem Blut gewonnen werden.



Tödliche COVID-19-Infektionen könnten verhindert werden

„Aktuelle wissenschaftliche Daten weisen darauf hin, dass durch COVID-19-Immunplasma eine deutliche Abschwächung der lebensbedrohlichen Verläufe möglich ist“, so Prof. Hackstein. Aktuell liegen 19 COVID-19-Patientinnen und Patienten im Uni-Klinikum Erlangen, darunter 11 auf einer Intensivstation. „Wenn unsere Initiative erfolgreich ist – die in gleicher Art und Weise auch in Kürze in einigen anderen Universitätskliniken startet –, könnte dieses Verfahren die Therapie erheblich verbessern.“

RKI begrüßt das angestrebte Vorhaben

Im Rahmen der RKI Pressekonferenz war Bayern-Reporter heute als Live-Medienpartner zugelassen und bat Prof. Dr. Wieler vom Robert-Koch-Institut um eine Einschätzung zu dieser Therapiemöglichkeit. Wieler begrüßte den Vorstoß und bezeichnet ihn als einen der „lohnenswertesten Ansätze“. Allerdings müsse man eine hohe Qualität erzielen, denn es sei auch von Nebenwirkungen die Rede. Er hält den „Ansatz für sehr vielversprechend“.

Unsere Frage (technisch bedingt etwas dumpf) ab Minute 36:33 in dem Video.







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