Dramatische Lage in der Nordoberpfalz: Patienten müssen verlegt werden


Über 450 Menschen sind alleine im Landkreis Tirschenreuth infiziert. Inzwischen ist die Zahl der Todesfälle auf 23 angestiegen.




Der Schwerpunkt ist weiterhin in der Stadt Mitterteich mit 131 Fällen. Es gibt mittlerweile in fast allen Gemeinden im Landkreis bestätigte Coronafälle. Auch gibt es überall und damit in allen Gemeinden eine gewisse Dunkelziffer. Herr Landrat Lippert bittet deshalb alle Bürgerinnen und Bürger im Landkreis, die Ausgangsbeschränkungen weiter einzuhalten. Das Landratsamt Tirschenreuth geht weiterhin von stark steigenden Fallzahlen im Landkreis aus, zudem stehen nach wir vor hunderte Testergebnisse aus. Im Landkreis Tirschenreuth sind über das Wochenende sieben weitere Personen (alle über 75 Jahre alt und fast ausnahmslos mit Vorerkrankungen) an dem Coronavirus verstorben. Damit gibt es im Landkreis Tirschenreuth bisher 23 Todesfälle.

Auch wenn der Trend bei den Neuinfektionen ungebrochen nach oben zeigt, täglich auch in Bayern Menschen am Corona-Virus sterben und die Lage somit unverändert sehr ernst ist, so sendet die Zahl der in Bayern wieder 850 gesund gewordenen Patienten eine tröstliche Botschaft. Die Masse der Erkrankten zeigt keine oder lediglich milde Symptome und die allermeisten werden wieder gesund.



Patienten sollen verlegt werden

Und dennoch ist die Lage Lokal dramatisch. „Nach allem, was ich höre und was die Fachleute sagen, befinden wir uns derzeit in der Phase der Ruhe vor dem Sturm“, sagt Innenminister Joachim Hermann. Einen gewissen Eindruck davon, was uns im Sturm noch blühen könnte, habe er sich gestern bei einem Besuch des Klinikums Weiden/Opf. verschaffen können.

„Ich bin als Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz Bayern (FüGK Bayern) dorthin gefahren, nachdem immer deutlicher wurde, dass das schon seit einigen Tagen stark zunehmende Infektionsgeschehen und vor allem das sprunghaft verstärkte Auftreten schwerer Krankheitsfälle das Gesundheitssystem der nördlichen Oberpfalz langsam an seine Leistungsgrenze heranführt“.



In der nördlichen Oberpfalz bereitet man sich derzeit darauf vor, erstmals im Zuge der Corona-Krise Schwerkranke in andere Regionen zu verlegen, weil vor Ort die Behandlungskapazitäten und vor allem die Beatmungsplätze nicht mehr ausreichen, um alle beatmungspflichtigen Patienten bestmöglich zu versorgen. „Die Kräfte sind im Raum Tirschenreuth längst am Limit“, sagte Innenminister Joachim Hermann heute bei einer Pressekonferenz in München. Neue Beatmungseinheiten habe man bereits bestellt und auch ausgeliefert. Die Versorgung sei gewährleistet, sagt Herrmann. Alleine schon, weil man die Patienten dort auch nach Amberg oder Regensburg verlegen könne.

Was ich am Klinikum Weiden gesehen habe und was mir die Ärzte dort geschildert haben, hat mich sehr beeindruckt und auch nachdenklich gemacht. Gesehen habe ich ein enormes Engagement des ärztlichen und pflegenden Personals, dem man anmerkt, mit welchem Elan um die Gesundheit und das Leben eines jeden Patienten gekämpft wird und wie kräftezehrend dieser Kampf ist. (Innenminister Joachim Hermann)



Schockiert über den schnellen Verlauf

Nachdenklich gemacht haben den Minister die Schilderungen individueller Krankheitsverläufe. Diese sind oft davon geprägt, dass das Virus unter ungünstigen Umständen den Gesundheitszustand eines Patienten innerhalb weniger Stunden von einem vergleichsweise stabilen Zustand an den Rand des Todes bringen kann. Das gilt längst nicht nur für alte und ohnehin schwache oder kranke Menschen, sondern auch für jüngere, vor allem, wenn diese Raucher waren bzw. sind.

Die Ärzte berichten von bis dato unbekannten Krankheitsbildern und physiologischen Auffälligkeiten, die in den zu beobachtenden Abläufen bisher in keinem medizinischen Lehrbuch beschrieben sind. Allem Anschein nach wird es besonders gefährlich, wenn der untere Teil der Lungenflügel betroffen ist. Insoweit betritt die Medizin gerade Neuland und versucht auch unter Nutzung modernster Technik wie Kernspin- oder Computertomographie dieses möglichst schnell zum Wohle der Patienten zu ergründen. Denn in den meisten Fällen kann geholfen werden, wenn rechtzeitig das Richtige getan, vor allem, wenn optimal beatmet wird. Ich kann nur immer wieder meinen tiefen Respekt vor denen bekunden, die sich in dieser schwierigen Lage für Leben und Gesundheit anderer aufopfern.



Diese Beschreibungen zeigen mir aber auch einmal mehr, wie trügerisch die Ruhe dort ist, wo das Virus derzeit noch selten auftritt. In den Kliniken, wie in den Gesundheitsbehörden und den örtlichen FüGKen tut man gut daran, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass die eigentlichen Herausforderungen erst noch kommen und es schon jetzt an der Zeit ist, diesen ins Auge zu sehen. (Innenminister Joachim Hermann)

Der Innenminister dankt allen Menschen, die in dieser Zeit zusammenstehen und helfen.

 





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