Nazi-Heilpraktikerin aus Leinburg(55) für Drohschreiben mit scharfer Munition verantwortlich


LAUF/SCHWABACH. Wiederholte Drohschreiben, denen teilweise echte Munition beigefügt wurde, waren der Auslöser für aktuelle Ermittlungen der Kriminalpolizei Schwabach. Die Beamten der zwischenzeitlich eingerichteten Sonderkommission (Soko) konnten nun eine dringend Tatverdächtige Frau aus Leinburg (Diepersdorf) ermitteln. Sie habe enge Verbindungen zur Nazipartei „Der III.Weg“. 




Bereits seit Anfang Dezember 2019 hatte ein zunächst unbekannter Täter mehrere Drohschreiben verschickt. Teilweise waren den hierzu versandten Grußkarten, die offensichtlich mit einer Schablone geschrieben waren, „scharfe“ Patronen beigelegt. Neben einem Türkisch-Islamischen Moscheeverein in Röthenbach an der Pegnitz (Lkrs. Nürnberger Land) sind von diesen Drohungen auch zwei Kommunalpolitiker und eine regionale soziale Einrichtung betroffen. Die Drohschreiben hatten große Angst, Besorgnis und Unsicherheit in der Bevölkerung und bei den Funktionsträgern ausgelöst.

Zur Aufklärung der Bedrohungsserie hat die mittelfränkische Polizei bei der Kriminalpolizei Schwabach eine rund 20 Personen starke Sonderkommission (Soko) mit dem Namen „Karte“ eingerichtet. Aufgrund des Inhaltes der Drohschreiben und der Art und Weise der Bedrohung gingen die polizeilichen Ermittler sehr schnell von einer politisch rechts motivierten Tat aus. Es wurden zahlreiche Spuren gesichert, Zeugenbefragungen durchgeführt, die operative Fallanalyse (OFA) eingebunden sowie die Streifenpräsenz vor Ort deutlich erhöht. Die betroffenen Personen erhielten eine verhaltensorientierte Beratung und eine sicherheitstechnische Beratung für ihre Anwesen. Über die Medien wurden mehrere Zeugenaufrufe, insbesondere zur Herkunft der versendeten Karten, gesteuert.



Grußkarten

Telefonzellen für Drohanrufe aufgefunden

Die intensiven kriminalpolizeilichen Ermittlungen führten schließlich in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth zu der dringend tatverdächtigen Heilpraktikerin aus Leinburg. Zielführend war hier die Überprüfung zur Herkunft der Karten, aber auch gemeldete Waffenbesitzer wurden überprüft. Zudem konnten Drohanrufe zurückverfolgt werden, die an einer Telefonzelle im Nürnberger Land durchgeführt wurden. Aufgrund der Vielzahl der Indizien wurde von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ein Durchsuchungsbeschluss beantragt und vom Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Nürnberg-Fürth erlassen.



Karten bei DM gekauft

Bei der durchgeführten Durchsuchung des Wohnanwesens und der Praxis in Diepersdorf war das SEK im Einsatz. Man konnte weiteres Beweismaterial sicherstellen, darunter eine Schablone und diverse ähnliche Glückwunschkarten, wie sie zurückliegend an die Geschädigten versandt worden waren. Die Karten wurden in einem DM Drogeriemarkt gekauft. Ferner wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, das auf eine beständige rechtsgerichtete Gesinnung schließen lässt, aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen Bedrohung eingeleitet und die Verdächtige auf freien Fuß gesetzt. Die BILD Zeitung hatte am Sonntag berichtet, man habe die 54-Jährige festgenommen. Ein Sprecher der Nürnberger Polizei gab am Montag gegenüber Bayern-Reporter an, dass die Beschuldigte weiterhin nicht inhaftiert sei.

Ob die 55-Jährige Einzeltäterin ist, oder einer Gruppe angehörig ist, muss noch ermittelt werden. Sie schweigt bislang zu den Vorwürfen. Sie hat aber enge Verbindungen zur Nazipartei „Der III.Weg“, wie Bayern-Reporter berichtet. In Wunsiedel marschierte die 54-Jährige regelmäßig mit und ist auf Fotos gut zu erkennen. Über Vorstrafen wollten die Behörden keine Angaben machen, aber die Beschuldigte sei klar der rechten Szene zuzuordnen. Mann kenne die Dame, hieß es auf der Pressekonferenz der Polizei. Ob sie ihre Drohungen wahr machen wollte, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Menschen mit Drohungen in Angst und Schrecken zu versetzen, ist absolut niederträchtig. Wir gehen deshalb äußerst konsequent gegen Hass und Hetze vor. Mit akribischer Ermittlerarbeit hat hier die eigens eingerichtete Sonderkommission des Polizeipräsidiums Mittelfranken sehr gute Arbeit geleistet. (Bayerns Innenminister Joachim Herrmann)





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