„Helden von Mitterteich“ wehren sich gegen Behauptungen der Polizei


MITTERTEICH. Während sich die meisten Mitterteicher an die Ausgangssperren im Ort gehalten haben, kommt es nun seit zwei Tagen vermehrt zu Partys, Gruppenbildungen und einige verlassen sogar den Ort. Erst gestern wurde die Ausgangssperre auf die in ganz Bayern geltenden Beschränkungen gelockert. Jetzt stellt sich die Frage, ob das ein Fehler war und der Ort vielleicht sogar abgesperrt werden muss. Im Kreis Tirschenreuth sind derzeit rund 80 Fälle und ein Toter bestätigt.




Update: Wichtiger Leserbrief am Ende des Artikel

Der kleine Ort Mitterteich im Landkreis Tirschenreuth macht weiterhin unschöne Schlagzeilen. Trotz steigender Coronazahlen fanden hier seit Anfang März immer wieder Partys statt. Größter Streitpunkt war das Starkbierfest, das trotzt der internationalen Empfehlungen durchgezogen und sogar mit „Schluckimpfung“ gegen Corona beworben wurde (wir hatten berichtet). Jetzt gibt es vor allem Hohn und Spott für den Ort, der als erstes in Bayern eine Ausgangssperre verhängt bekommen hat. Doch ein Spaß ist das lange nicht mehr. Es geht um Leben und Tod: Zwei Menschen aus der Region ( 1x TIR, 1x WUN) sind bereits gestorben. Viele weitere liegen in Krankenhäuser. Trotzdem kommen einige weniger Einwohner nicht zur Vernunft.

Gestern wurde durch Herrn Ministerpräsidenten Markus Söder die Allgemeinverfügung für die vorläufige Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie in Bayern verkündet. Die Allgemeinverfügung des Landratsamtes Tirschenreuth über die Ausgangssperre im Stadtgebiet Mitterteich bleibt trotzdem vorerst weiterhin bestehen. Die Inhalte der Allgemeinverfügung für das Stadtgebiet Mitterteich werden jedoch weitgehend der Allgemeinverfügung für den Freistaat Bayern angepasst. Demnach ist es den Bürgerinnen und Bürgern z. B. nun auch erlaubt, Sport und Bewegung (Spaziergänge) an der frischen Luft zu betreiben, allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands und ohne jede sonstige Gruppenbildung.



Sind Todesopfer egal?

In Zusammenhang mit der Ermittlung der Kontaktpersonen der bestätigten Fälle wurden mittlerweile durch das Gesundheitsamt Tirschenreuth über 450 Fälle als Kontaktperson der Kategorie I (Definition siehe unter ww.rki.de) eingestuft. Das Bayerische Gesundheitsministerium hat heute bestätigt, dass ein 87-Jähriger aus dem Landkreis Tirschenreuth an Covid-19 gestorben ist. Die Person litt an Vorerkrankungen und zählte somit zu den bekannten Hauptrisikogruppen. Billigend in Kauf genommen, von feiernden Jugendlichen.

Am gestrigen Abend verließen einige Jugendliche sogar trotz geltender Ausgangssperre die Stadt Mitterteich, um andernorts zu feiern. Die Männer begingen dadurch gleich zwei Verstöße nach dem Infektionsschutzgesetz. Zum einen hätten sie die Stadt erst gar nicht verlassen dürfen und zum anderen feierten sie an ihrem Zielort angelangt, verbotswidrig eine Party mit Alkohol und Grillgut. Zum krönenden Abschluss postete einer der Herren noch ein Gruppenselfie im Internet. Einsicht sieht anders aus.



Am Freitagabend gegen 23 Uhr wurde dann in Tirschenreuth sogar eine größere private Party gefeiert. Unter den Gästen war laut Polizeiangaben auch wieder ein Mitterteicher, was in Zeiten der Ausgangsbeschränkung und der in Mitterteich geltenden Ausgangssperre erst recht nicht erlaubt ist. Wie die Polizei berichtet, wird gegen ihn nun ein Strafverfahren nach dem Infektionsschutzgesetz eingeleitet. Auch gegen die Partygänger in Tirschenreuth wird ermittelt. Die Beamten kündigten an, weiterhin verstärkt zu kontrollieren.

Im Internet wehrten sich viele junge Menschen gegen die pauschalen Vorwürfe gegen Feiernde aus Mitterteich im Bezug auf das Starkbierfest. Dennoch sorgen ausgerechnet einige wenige Menschen aus Mitterteich selbst für den Verruf ihrer sonst friedlichen und verantwortungsbewussten Stadt.



Jugendliche geben Ihre Tat nachträglich zu

Leserbrief zu diesem Artikel: 

Eine Nutzerin gab an, dass das gepostete Instagram-Foto schon älter sei und nur mit den Hashtags versehen wurde. Hierzu folgender Leserbrief im Original:

Hey ihr ach so tollen reporter. Habt ihr euch denn informiert obs echt so war? Oder ob sich einer davon nur den „Spaß“ erlaubt hat und des foto mit den hashtags gepostet hat? Was natürlich nicht zu entschuldigen ist in der momentanen Situation aus sowas Spaß zu machen. Aber es ist nunmal so! Die waren auf keiner Party! Bevor ihr schlauen Leute nen Artikel veröffentlicht, solltet ihr euch erst mal über die Fakten schlau machen! Aus sicherer Quelle kann ich sagen, dass diese Personen nicht auf irgendeiner Party waren, da einer von ihnen momentan krank im Bett liegt. Seit Tagen schon! Vergleichsweise hat einer auf den Fotos etwas längere Haare. Anfang März auf einem veröffentlichten Foto hat er aber fast eine Glatze! Können sie mir erzählen, wie die Haare auf 2,5 Wochen so schnell wachsen? Vergleichen Sie mal bilder mit Bildern von vor 2 Wochen, dann wissen auch sie, dass es nicht sein kann, dass dieses am Freitag oder samstag veröffentlichte Bild von dem Tag sein kann. (Jasmin K.)

Anmerkung der Redaktion: Die Polizei hat bestätigt, dass die fünf jungen Männer Mitterteich am Freitagabend wie beschrieben verlassen haben: „Für Kopfschütteln bei den Einsatzkräften sorgten am Freitagabend fünf junge Männer im Alter zwischen 18 und 23 Jahren. Sie verließen gemeinsam, trotz der in Mitterteich geltenden Ausgangssperre, die Stadt. Sie begingen dadurch gleich zwei Verstöße nach dem Infektionsschutzgesetz.  Zum einen hätten sie die Stadt erst gar nicht verlassen dürfen und zum anderen feierten sie an ihrem Zielort angelangt, verbotswidrig eine „Corona-Party“ mit Alkohol und Grillgut. Außerdem postete einer der Herren noch ein Gruppenselfie im Internet.“ 

Einer der auf dem Foto abgebildeten Männer meldete sich zudem telefonisch. Er gab an, nicht außerhalb Mitterteichs gewesen zu sein. Die Polizei wiederholte allerdings auf telefonische Nachfrage hin, dass der von den Beamten geschilderte Sachverhalt zutreffe. Zudem hätten fast alle Beschuldigten den Sachverhalt eingeräumt. Die Behauptung, einer sei krank im Bett und keiner habe Mitterteich verlassen, stimmt demnach nicht. Es gibt keinen Zweifel an den Schilderungen der Polizei.




Verstöße auch in anderen Ortschaften





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