Chronisch krankes Kind: „Nehmt mir nicht mein Desinfektionsmittel weg“


Obwohl gründliches Händewaschen absolut effektiv und ausreichend gegen Coronaviren ist, kaufen die Menschen wie von Sinnen Desinfektionsmittel und Mundschutz. Die Preise dafür sind nicht nur eskaliert, teilweise gibt es keinen Nachschub mehr. Sehr zum Ärger von chronisch kranken Patienten und Menschen mit Immunschwäche.




Das Coronavirus bewegt die Menschen. Und er verändert offenbar ihr Kaufverhalten. Nicht nur Atemmasken sind derzeit vielerorts ausverkauft, auch Kunden, die dringend auf Desinfektionsmittel angewiesen sind, gehen mancherorts vergeblich in Apotheken und Drogerien. Auch der kleine Brandon aus Pegnitz in Oberfranken ist chronisch krank. Der Fünfjährige leidet an einer Vielzahl an Allergien, Diabetes und Zöliakie. Alle drei Tage erhält er einen neuen Katheter. Eltern und Pflegekräfte müssen sich vor einer Punktierung der Haut gründlich desinfizieren. „Auch meine Haut“, sagt der kleine Mann mit vollem Stolz. Als sein Blick auf den fast leeren Desinfektionsspender fällt, erinnert er seine Mama, dass sie neues bestellen muss.

Doch das ist nicht so einfach, sagt die 35-Jährige. Bei ihrem ursprünglichen Lieferanten ist es vergriffen. „Hoher Absatz durch Corona-Panik“, sagt der Hersteller. In Onlineshops kann man diverse Vorräte finden, allerdings haben sich die Preise in schwindelerregende Höhe gepegelt.



Für 100 Milliliter muss man teilweise mehr als 20 Euro auf den Tisch legen. „Für den Preis habe ich sonst 1,5 Liter bekommen“, sagt die junge Mutter. Aber selbst diese teuren Kleinstflaschen (100ml) sind derzeit kaum noch zu bekommen. Bei Ebay werden Halbliter-Flaschen sogar schon für 165 Euro angeboten. Und jetzt, wo sich alleine in Bayern die Infektionszahlen an einem Wochenende mehr als verdoppelt haben, ist mit einer Entspannung der Lage so schnell nicht zu rechnen, sagen Händler. Selbe Probleme soll es übrigens es im Bereich von Babynahrung geben, sagen betroffene Eltern.

„Muss ich jetzt sterben?“

Für den kleinen Brandon sind die medizinischen Hamsterkäufe nicht nachvollziehbar. Als seine Mama ihm erklärt, dass jetzt ganz viele Menschen Desinfektionsmittel kaufen, fragt er, ob sie auch alle krank sind. Als sie das verneint, ist er entsetzt. Denn er braucht es doch, sagt er. Seine Frage „muss ich jetzt sterben“, verneint die 35-Jährige natürlich. Trotzdem zeigt der Fall die gesamte Dynamik der Lage.



Zahlreiche Handelsketten sprachen in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur von erhöhten Verkaufszahlen bei Produkten wie Konserven oder Desinfektionsmitteln. Darunter auch Hände-,Flächen- und Hautdesinfektionsmittel. Auch Seifen und spezielle Reinigungsmittel seien verstärkt verkauft worden. „Wir sind in der Lage nachzuliefern“, sagte der Vize-Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Günter Päts, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Der kleine Brandon hat noch Material für etwa eine Woche. Seine Eltern hoffen schon bald auf erschwinglichen Nachschub. Dennoch appellieren sie an die Menschen, die nun „wie verrückt“ Desinfektionsmittel bunkern. „Wascht euch gründlich die Hände und überlasst den chronisch Kranken die Mittel, die sie dringend brauchen“.



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