Interview der Woche: Präsident und Kreisbrandrat Hermann Schreck


BAYREUTH. Hermann Schreck ist jetzt seit mehr als 15 Jahren Kreisbrandrat im Landkreis Bayreuth. Seit Jahresbeginn leitet er nun auch die Geschäfte des Deutschen Feuerwehrverbandes. Wir haben dem Vollblut-Feuerwehrmann die Fragen der Woche gestellt. Es ging auch ein wenig um den Streit im größten deutschen Feuerwehrverband. Denn nach wochenlangen Querelen in der Führungsspitze ist der bisherige Präsident Hartmut Ziebs zurückgetreten. Die Geschäfte hat nun ein Oberfranke übernommen: Unser Interviewpartner, der Bayreuther Kreisbrandrat Hermann Schreck. 




Herr Schreck, glauben Sie, dass die Präsidentenwahl beim Deutschen Feuerwehrverband am 20.6. in Hannover tatsächlich stattfindet? Oder ist es wahrscheinlicher, dass hierzu eine neue Delegiertenversammlung einberufen wird. Es gab ja sehr viel Unruhe im Verband. 

Nun, mit der Beschlusslage vom Montag ist die Wahl eines neuen Präsidenten am 20. Juni 2020 in Hannover vorgesehen. Und die Ordentlichen Mitglieder des DFV wurden bereits zur Abgabe von Wahlvorschlägen aufgerufen. Ich gehen schon davon aus, dass alles wie geplant durchführbar ist.

Wie gehen Sie mit der Krise im DFV um? Spüren Sie Gegenwind aus den Verbänden?

Wir stehen im Präsidium des DFV zusammen und ergänzen uns gut. 14 von 16 Landesfeuerwehrverbände stehen fest zusammen und kämpfen für eine gemeinsame Zukunft des DFV. Leider sind die Äußerungen und Anfeindungen vor allem in den sozialen Netzwerken oftmals unter der Gürtellinie und entbehren jeglicher Grundlage der Sachlichkeit.

Beeinträchtigt Sie das neue, kommissarische Amt in ihrer Arbeit als Kreisbrandrat in Bayreuth oder wieviel Zeit muss man da investieren?

Das Amt des KBR ist dadurch nicht beeinträchtigt. Es bedarf aber schon einer intensiv abgestimmten Zeitverteilung und Abarbeitung der Aufgaben.



Haben Sie dort feste Bürotage? Oder wie sieht ein Tag als DFV-Chef aus?

Hier muss man flexibel nach den aktuellen Bedürfnissen reagieren. Es gibt keine vorgegeben Abläufe. Es kommt, wie es kommt. 

Stehen Sie für die ordentliche Wahl zum DFV-Präsident zur Verfügung?

Das ist für mich zum heutigen Zeitpunkt kein Thema. Denn ich fühle mich im Landkreis Bayreuth wohl und begleite sehr gerne das Amt des Kreisbrandrats. Als Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes könnte ich nicht mehr als KBR tätig sein.

Würde ein dauerhaftes Amt als DFV-Chef denn so schwere Auswrikungen auf die Arbeit im Landkreis haben?

Ja. Ich müsste mein Amt als KBR definitiv komplett aufgeben, was ich nicht machen möchte.

Das klingt nach einer Liebeserklärung für unsere Region. Gibt es einen herausragenden Einsatz aus ihrer Laufbahn, an den Sie sich immer erinnern werden?

Ja, den gibt es. Es war der Rettungseinsatz eines Kindes, der leider nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Vor allem die Belastung für die Kameraden mit Kindern war damals enorm und mich persönlich begleitet dieser Einsatz noch heute.



Glauben Sie, dass das Verbot aus Thüringen, dass Jugendfeuerwehrleute nicht mehr ausrücken dürfen (wir hatten online berichtet), auch auf andere Landesverbände übergreift?

Ich hoffe nicht, denn das ist nach meiner Auffassung der falsche Weg der Nachwuchsarbeit. Außerdem haben wir in Bayern sehr gute Erfahrungen mit dem Grundsatz gemacht: Nach einer abgeschlossenen Grundausbildung, außerhalb des Gefahrenbereiches und in Begleitung eines erfahrenen Feuerwehrdienstleistenden Jugendliche im Einsatz einzusetzen.

Muss man sich auch in Bayern auf eine Änderung einstellen?

Wir müssen sicherlich das Gespräch mit der Kommunalen Unfallversicherung Bayern, bzw. der Bayerischen Landesunfallkasse suchen. Aber die KUVB ist immer für praxisbezogene Lösungen eingetreten und deshalb habe ich große Hoffnung auf eine vernünftige Lösung.

Finden Sie das Modell aus Thüringen generell richtig, oder ist das ein Schlag gegen die Nachwuchsarbeit?

Ich finde dieses Modell nicht praxisgerecht und es macht die Nachwuchsarbeit nicht leichter.

Wo sehen Sie generell die Herausforderungen für die FFW in Deutschland, Bayern, und speziell im Raum Bayreuth?

Das Feuerwehrwesen in der Bundesrepublik ist hauptsächlich vom Ehrenamt getragen. In Bayern hat sich das auch bestens bewährt, denn ein rein hauptamtliches Feuerwehrwesen könnte und wollte niemand bezahlen. Deshalb müssen wir alles daran setzen, das Ehrenamt zu stärken, den Fortbestand und die Handlungsfähigkeit unserer Feuerwehren im Landkreis zu sichern, damit wir auch in Zukunft nach 10 Minuten (Hilfsfrist) eine qualifizierte Hilfe an den Einsatzstellen leisten können. Das Ehrenamt ist unverzichtbar und hier brauchen wir immer wieder Bürgerinnen und Bürger die bereit sind, diesen wichtigen und unverzichtbaren Dienst in unseren Feuerwehren zu leisten.

Vielen Dank für Ihre Zeit Herr Schreck. Gerade bei der aktuellen Mehrfachbelastung nach dem Großeinsatz in Döhlau, ihre Arbeit als KBR und amtierender DFV-Chef keine Selbstverständlichkeit. Das Interview führte Markus Roider. 





Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.