SKS übernimmt: Bayreuther BRK verliert Rettungswagen-Standort


BAYREUTH. Das Bayerische Rote Kreuz in Bayreuth betreibt mehrere Rettungswachen und zwei Rettungswagenstandorte in der Region. Doch es gibt Veränderungen. Im Zuge der letzten Trend- und Strukturanalyse (Trust III) wurde ein neues Vergabeverfahren für den Bayreuther Standort Ost eingeleitet. Und wie jetzt bekannt wurde, bekam nicht das BRK, sondern ein privater Anbieter den Zuschlag.




Die Trend- und Strukturanalysen (TRUST III) des Rettungsdienstes wurden vom Freistaat Bayern gemeinsam mit den acht in Bayern tätigen Sozialversicherungsträgern in Auftrag gegeben. Im Rahmen der Aufträge wurde zunächst die Datenbank „Rettungsdienst Bayern“ etabliert und dann fortgeschrieben. In der Datenbank sind die Struktur-, Einsatz- und Abrechnungsdaten des Rettungsdienstes in Bayern umfassend dokumentiert. Sie ist Grundlage für Analysen der Versorgungssituation und Gutachten zur Standortstruktur des Rettungsdienstes in Bayern.

In Anlehnung an das Analyseverfahren wurde auch der Rettungsdienstbericht 2019 für Bayern erstellt, der unserer Redaktion vorliegt. Hieraus ergaben sich Änderungen, die auch den Leitstellenbereich Bayreuth/Kulmbach betreffen werden. So wurde beispielsweise festgestellt, dass in der Stadt Bayreuth die RTW-Vorhaltung um insgesamt 21 Wochenstunden (entspricht drei Stunden am Tag erhöht und auf drei Standorte im Stadtgebiet verteilt werden sollte.

Durch die Erhöhung der RTW-Vorhaltung um 21 Wochenstunden, ist der Zweckverband Bayreuth/Kulmbach nach dem Bayerischen Rettungsdienstgesetz verpflichtet gewesen, ein Auswahlverfahren für den Stellplatz Bayreuth-Ost durchzuführen. Der wird seit November 2017 von den Rotkreuzlern aus der Wagnerstadt betrieben. „Derzeit aber nur interimsmäßig“, sagt Michael Schreier vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Bayreuth/Kulmbach. Im August 2019 wurden die Unterlagen dazu veröffentlicht. Neben dem BRK haben zwei weitere Organisationen ihren Hut in den Ring geworfen. Das Bayreuther Privatunternehmen SKS-Ambulanz und das Regensburger Unternehmen RKT Rettungsdienst.



BRK nimmt Einspruch zurück

Allerdings ist bereits durchgesickert, dass das Rote Kreuz in der Ausschreibung unterlegen ist. Zwar hat der Kreisverband Einspruch eingelegt, diesen aber bereits wieder zurückgenommen. ZRF-Leiter Michael Schreier bestätigte auf Nachfrage unserer Redaktion, dass „ein unterlegener Bieter“ Einspruch erhoben hatte. Aus rechtlichen Gründen könne er aber keine näheren Angaben dazu machen. Auch das BRK Bayreuth wollte sich trotz mehrfacher Nachfrage dazu nicht äußern.

Über den Einspruch musste dann die Vergabekammer Nordbayern bei der Regierung von Mittelfranken entscheiden. Es handelt sich dabei um ein Nachprüfungsverfahren. Hierbei soll geprüft werden, ob Formfehler bei der Vergabe unterlaufen sind. Aber: „Das Nachprüfungsverfahren ist beendet. Der Antragsteller hat seinen Antrag auf Nachprüfung bereits Ende Januar zurückgenommen“, sagt Karin Christ, Pressesprecherin bei der Regierung von Mittelfranken. Einen konkreten Namen nannte sie zwar nicht, aber die weiteren Mitbewerber des BRK gaben an, kein Veto eingelegt zu haben.



Keine öffentlich-rechtlichen Mitbewerber

Die Malteser, die ja bereits eine Rettungswache in Waischenfeld betreiben, haben sich nicht um den Bayreuther Rettungswagenstandort beworben. Man wollte die bislang gute Zusammenarbeit nicht gefährden, sagt Wachleiter Manfred Huppmann. Ähnlich äußerte sich auch der ASB Kreisverband Jura. Man habe sich gegen eine Bewerbung um den Rettungswagenstandort Ost entschieden, sagt Geschäftsführer Andreas Brunner. „Über die Gründe für diese Entscheidung möchten wir uns jedoch nicht öffentlich äußern“, ergänzt ASB-Landessprecher Moritz Wohlrab. Demnach gab es keine weiteren Bewerber aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor. Das BRK musste sich ausschließlich mit privaten Anbietern auseinandersetzen.

Überraschender Sieger 

Das dürfte eine Bayreuther Firma ganz besonders freuen. Nämlich das Privatunternehmen SKS-Ambulanz aus Bayreuth. Geschäftsleiter Korbinian Specht bestätigte auf Nachfrage unserer Redaktion, dass er bereits am 6. Dezember 2019 die vorläufige Zusage bekam. Eine schriftliche förmliche Beauftragung stehe noch aus. Zwar habe das Nachprüfungsverfahren Zeit gekostet, aber seit dessen Abschluss vom 31. Januar hat sich nichts mehr bewegt. Betrieben werden soll der Rettungswagen ab dem 1. März von Montag bis Sonntag im Zeitraum von 8:00 bis 23:00 Uhr.

Das sei „kaum zu schaffen“, sagten außenstehende Rettungskräfte, als das Verfahren noch lief. Denn in wenigen Tagen könne man keinen geregelten Rettungsdienst auf die Beine stellen. Zudem müsse auch noch die Alarmierung und das Funksystem abgestimmt werden. Solange aber das Nachprüfungsverfahren lief, waren allen Beteiligten die Hände gebunden. Es kann also davon ausgegangen werden, dass durch den spontanen Rückzug des BRK die Zeit bis Ende Februar nun doch noch ausreicht. Wie der ZRF nachträglich mitteilte, sei der endgültige Zuschlag am 6. Februar an SKS erteilt worden. Ausgeschrieben wurde das Projekt übrigens für den Zeitraum von zehn Jahren. Die wöchentliche Bereitstellung beträgt laut Ausschreibung 105 Stunden pro Woche.



Ausschließlich Notfallsanitäter 

Bei SKS besteht keine Hektik. Man wartet jetzt auf die endgültige Anforderung, und bleibt gelassen. Denn zumindest personell ist offenbar bereits einiges getan. „Unser Ziel ist es, jedem Patienten und Patientin die gleiche hochwertige Versorgung, basierend auf den aktuell gültigen Versorgungsleitlinien der gängigen Fachgesellschaften, bieten zu können“, sagt Korbinian Specht von SKS. Deshalb habe man sich bereits vor Jahren dazu entschlossen, allen Mitarbeitern die Teilnahme an zahlreichen zertifizierten Fortbildungsmaßnahmen zu ermöglichen, „um einen gleichbleibende, strukturierte Versorgungsqualität am Puls der Zeit“ sicherstellen zu können. Um dieses Ziel zu erreichen sei man aber auch gezwungen, ausschließlich erfahrene Notfallsanitäter einzusetzen. Mitarbeiter mit der Bezeichnung „Rettungsassistent“, finden hierbei keine Berücksichtigung mehr. Sobald ihm die offizielle und förmliche Beauftragung des Zweckverbandes vorliegt, will Specht die letzten Vorbereitungen treffen.

Wie der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Bayreuth/Kulmbach bestätigte, wurde zudem ein neuer zusätzlicher RTW-Stellplatz mit 12 Stunden am Tag in Streitau/Gefrees eingerichtet. Auch dieser Stellplatz wurde in einem Auswahlverfahren europaweit ausgeschrieben. Den Zuschlag hat hier das Bayerische Rote Kreuz bekommen. „Damit sind die Änderungen aus TRUST III abgeschlossen“, sagt ZRF-Leiter Schreier. Für Streitau hatte sich SKS nicht mit beworben. „Unsere Pläne konzentrieren sich für den Fall der förmlichen Beauftragung auf eine optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten in dem Ausrückebereich der Rettungswache Ost“, sagte Specht.



Stellplatz statt Rettungswache

Die im Volksmund beschriebene Wache-Ost ist in Wirklichkeit nur ein Rettungswagenstandort. Das heißt: Keine richtige Wache, wie sie den baurechtlichen Bestimmungen entsprechen müsste. „Eine Wache ist fest definiert mit baulichen Vorschriften und allem drum und dran“, sagt BRK Sprecher Tobias Schif. Und auch der Rettungswagen befindet sich nicht in einer warmen Garage, sondern draußen auf einem nicht überdachten Parkplatz. Zwar ist das Fahrzeug an die Stromversorgung angeschlossen und im Winter laufe auch fast durchgehend die Standheizung, sagen Einsatzkräfte, aber wenn es richtig schneit, müsse man erstmal alles freikehren, bevor man einsatzklar ist. Seit Jahren sei eine Garage im Gespräch gewesen, sagen die Mitarbeiter vor Ort. Aber jetzt, wo die Betreiberverhältnisse zuletzt unklar waren und das BRK auch nur interimsmäßig zuständig war, sei das Projekt erneut auf Eis gelegt worden.

Der Standort in der Christian-Ritter-von-Langheinrich-Straße betreut überwiegend das östliche Stadtgebiet von Bayreuth, das westliche Fichtelgebirge, Teile des Landkreises Bayreuth (Nordost, Ost, Südost) und Teile des Landkreises Kulmbach mit den Schwerpunkten von Industrie-, Gewerbegebieten, den Logistikzentren in Bayreuth und die Autobahnen A9 und A70.



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