Corona-Virus: Globale Bedrohung oder Panikmache?


INTERVIEW. Ist die weltweite Bedrohung durch Corona wirklich so groß, wie sie derzeit gemacht wird, oder gibt es schlimmere Infektionsgefahren? Die Regierung von Bund und Ländern zeigt sich transparent und setzt auf Öffentlichkeitsarbeit. Was sonst immer als Vertuschung bezeichnet wird, erhält jetzt immer mehr das Bevölkerungsprädikat „Panikmache“. 




Tatsächlich kann man es dem Menschen wohl nicht recht machen. Schweigen Verantwortliche ein öffentliches Thema tot, wird es nicht selten als Verschwörungstheorie eingestuft oder als Vertuschung bezeichnet. Jetzt, wo RKI und Regierung offen die Medien über Corona unterrichten, sieht man es als Panikmache. Würde keine regelmäßige Berichterstattung stattfinden, stünden die Vorwürfe wohl schnell im Raum, Medien und Politik wollten etwas geheim halten. Doch was ist wirklich dran, am Corona-Virus? Wir haben mit Karsten Wranik vom Klinikum Altmühlfranken gesprochen. Er ist Hygienefachkraft und auf das Thema spezialisiert.

Herr Wranik, vielen Dank für Ihre wertvolle Zeit. Beginnen wir doch gleich mit der wichtigsten Frage. Ist der Hype um Corona eine reine Panikmache? 

Wranik: Ja, das denke ich schon. Die Warnung der WHO ist wichtig und richtig. Auch die mediale Aufarbeitung dazu natürlich. Denn wir sprechen von einer völlig neuen Entwicklung. Ein Virus, das vom Tier auf den Menschen übertragen wurde. Ein Virus, ohne Impfmöglichkeit. Da ist schon höchste Vorsicht geboten. Aber einige Medienunternehmen übertreiben es grandios. Wenn wir die gleiche Berichterstattung jedes Jahr über die Influenza hätten, wäre es berechtigt. Denn die Potenz von Influenza liegt zehn mal höher als bei Corona. Auch die Sterblichkeit liegt bei Influenza wesentlich höher. Für mich ist das Panikmache, ja. 

Man sollte Corona ernst nehmen, aber in einer unaufgeregten Art und Weise. (Karsten Wranik)



Das liegt vielleicht aber auch am Informationsfluss der Behörden. Denn über Influenza werden kaum Medieninformationen zugänglich gemacht. Was ist denn gefährlicher? Influenza oder Corona? 

Wranik: Definitiv Influenza. Influenza kann schon sehr gefährlich sein, deswegen kostet das Virus auch so vielen Menschen das Leben. Vor zwei Jahren beklagte Deutschland als Industrieland mit 80 Mio Einwohnern rund 25.000 Todesfälle. Davon ist Wuhan derzeit noch weit entfernt. Der Krankheitsverlauf von Corona ist aber noch relativ neu und unbekannt. Bei uns allerdings bislang auch eher als mild anzusehen. Als Beispiel: Alle Patienten hier in Bayern sind klinisch gesund. Die tödlichen Verläufe spielen sich in der chinesischen Provinz ab. Die medizinische Versorgung ist dort ebenso schlecht wie zivile Hygienemaßnahmen. 

Wer ist gefährdet?

Wranik: Anstecken kann sich jeder, der engeren Kontakt hat. Da kommen wir dann sicher gleich noch drauf zu sprechen. Am meisten gefährdet sind aber männliche Erwachsene. Hauptsächlich auch junge Erwachsene und Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Corona ist die Nachfolgepandemie von SARS und MERS. Auch hier gab es unter den Toten nie Kinder oder Jugendliche. Die scheinen davon irgendwie geschützt zu sein. Auch ganz wenige Frauen sind von Corona, Sars und Mers betroffen. Die Todefälle erstreckten sich bislang auf multimorbide Patienten. Also Menschen, die von vielen Erkrankungen gleichzeitig betroffen sind. Durch das geschwächte Immunsystem kommt es zur Pneumonie, einer Lungenentzündung, und die kann unbehandelt schnell zum Tod führen. Zumal bei einer virenbedingter Penumonie keine Antibiotikabehandlung hilft.

Wie können wir uns denn schützen?

Wranik: Verbreitet wird Corona durch die übliche Tröpfcheninfektion. Und hierbei ist die Ansteckungsgefahr wesentlich niedriger als bei Influenza. Engster Kontakt durch sprechen, küssen und niesen ist hier der wahrscheinlichste Übertragungsweg. Denn die Coronaviren sind schwer und träge. Auf unbeweglichen Oberflächen wie Türklinken oder sogar Einkaufswagen im Supermarkt, dort überlebt das Virus nicht lange. Und auch dann nur, wenn es einen feuchten Untergrund oder Umgebung hat. Dann kann es eine gewisse Zeit lang überleben. Aber generell ist die Ansteckungsgefahr sonst eher gering. Man muss schon engen Kontakt haben. 



Eine große deutsche Tageszeitung mit nur wenigen Buchstaben zeigte vor einigen Tagen ein Foto der Deutschen Rückkehrer aus Wuhan. Im Vordergrund war der Busfahrer zu sehen. Völlig ungeschützt, mit Hemd und Krawatte bekleidet. Im Hintergrund dann Einsatzkräfte mit Vollschutzanzügen. Wie bewerten Sie das? Im Netz wurde der Busfahrer als Bauernopfer betitelt.

Wranik: Der Busfahrer hat keinen engen Kontakt zu den möglichen Infizierten. Anders als das medizinische Personal. Hier müssen ja auch klinische Tests durchgeführt werden, Untersuchungen direkt am Patienten. Da ist wieder die Tröpfcheninfektion das Schlüsselwort. Aber selbst wenn die Patienten jetzt im Bus husten oder niesen, ist der Busfahrer weit genug entfernt. Denn die Streuung ist so sehr gering, dass sie kaum einen Einfluss hat. man spricht von einer maximalen Reichweite von 120-150 Zentimetern. Mikrobiologisch betrachtet ist das Coronavirus so schwer, dass es beim Husten zwar aus dem Körper katapultiert wird, aber dann sofort zu Boden sinkt und dort seine Wirkung verliert. 

Deswegen sind in Bayern bislang auch nur Mitarbeiter und Angehörige von Webasto betroffen? 

Wranik: Richtig. Nach dem Meeting im Januar hat eine Frau aus Wuhan das Virus eingeschleppt und dort auf engstem Raum die Streuung verursacht. Weitere Menschen, wie zum Beispiel Supermarktkunden, die mit den angesteckten Webastomitarbeitern beim Einkaufen unwissentlich zu tun hatten, blieben verschont. Jeder einzelne Fall hatte mit der Firma zu tun. Entweder als direkter Mitarbeiter oder als Familienangehöriger. Selbst eine Übertragung in der Kita, durch die Kinder der infizierten Mitarbeiter konnte nicht nachgewiesen werden. 

Wie lange ist denn die Inkubationszeit und wie macht sich Corona bemerkbar? 

Wranik: Anfangs war die Rede von bis zu 14 Tagen. Mittlerweile pendelt man sich so bei fünf bis sieben Tagen ein. Also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbrauch der Krankheit. Insgesamt kann man Corona wie eine Erkältung betrachten. Banaler Schnupfen und eine Entzündung der oberen Atemwege sind die eigentlichen Symptome. Bei der saisonalen Grippe, der eigentlichen Influenza, kommen dann weitere Punkte dazu. Wie beispielsweise schwerer Husten, Halsschmerzen und hohes Fieber. Man würde sich richtig krank fühlen. Auch Muskel – und Gliederschmerzen sind dann präsent. 



Ist bald mit einem Impfstoff gegen Corona zu rechnen? 

Wranik: Nein, das glaube ich nicht. Zumal die Entwicklung eines Impfstoffs bei Viren immer schwierig ist, da sich diese ständig verändern. Das haben wir ja auch bei Influenza. Hier muss der Wirkstoff Jahr für Jahr angepasst werden. Eine schnelle und wirksame Vorbeugung wird nach meiner Ansicht nicht so bald auf den Markt kommen. Das wird dauern. 

Sie veranstalten am Dienstag eine Informationsveranstaltung zum Coronavirus. Kann da jeder kommen? 

Wranik: Wir öffnen dazu unsere Krankenpflegeschule und haben rund 100 Plätze frei. Das Klinikum informiert über die eigenen Vorkehrungen zum Coronovirus, aber auch zur Symptomatik. Der Informationsabend findet am Dienstag, den 04. Februar 2020, im Rahmen der Vortragsreihe „Gesundheit im Dialog“ des Klinikums Altmühlfranken in Weißenburg statt. Beginn ist um 19:00 Uhr in den Räumen der Berufsfachschule für Krankenpflege. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Herr Wranik, vielen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch.

 



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