Feuerwehr wirft Wrackteile in Unfallauto und soll dafür bezahlen


KÄRNTEN/ÖSTERREICH. Ein Bericht der „Kleinen Zeitung“ aus Österreich sorgt derzeit vor allem im Internet für Aufregung. Das Blatt berichtet, dass eine Versicherung einer Feuerwehr 4.000 Euro in Rechnung stellte, weil sie Wrackteile in ein Unfallfahrzeug geworfen und damit die Ledersitze beschädigt haben soll.




Der Rechtsberater des Kärtner Landes-Feuerwehrverbandes, Klaus Nagele, ist sprachlos. Das habe er in zehn Jahren Tätigkeit noch nicht erlebt, wie er der Kleinen Zeitung im Interiew sagte. Was ist passiert? Nach einem schweren Verkehrsunfall wurde auch die örtliche Feuerwehr alarmiert. Ihre Aufgabe: Brandschutz, Verkehrsabsicherung, Aufräum- und Bergungsarbeiten unterstützen.

Und genau diese Aufräumarbeiten, die man eigentlich aus Kulanz durchführt, weil es Aufgabe der Bergungsfirma ist, bringen die Feuerwehr in eine prekäre Lage. Die Retter haben herumliegende Wrackteile ins abzuschleppende Unfallfahrzeug gelegt. „Das Auto war ohnehin schwer beschädigt“, schreibt die Kleine Zeitung. Ein Vorgang, der weit verbreitet von fast jeder Feuerwehr so durchgeführt wird.



4.000 Euro Schadensersatz gefordert

Ein Sachverständiger hat in der Folge wohl sogar einen Totalschaden des Autos bestätigt. Aber: Dieser sei erst deswegen entstanden, weil die Feuerwehr die Teile auf die Ledersitze geworfen habe und diese dadurch beschädigt worden sind. Durch den Unfall seien diese nicht in Mitleidenschaft gezogen worden und wären verwertbar gewesen.  Wenige Wochen nach dem Unfall flatterte der Feuerwehr eine Rechnung über 4.000 Euro von der Versicherung ins Haus.

Den Betrag hat letztlich die Haftpflichtversicherung der Gemeinde bezahlt. Dennoch wirft der Vorfall Fragen auf. Einige Verantwortliche von Feuerwehren und Gemeinden haben bereits überlegt, ob man künftig Wrackteile liegen lässt oder, wenn nicht anders möglich, eine Rechnung für die Entsorgung stellt und alles selbst mitnimmt. Künftig wird ein solches Vorgehen zumindest Gesprächsthema sein.

„Schlag in das Gesicht des Ehrenamts“

Der Pegnitzer Feuerwehrkommandant Roland Zahn findet das Verhalten der Versicherung „unglaublich“, wie er sagt. Es sei ein erneuter „Schlag ins Gesicht des Ehrenamtes“. Die Einsatzkräfte opfern ihre Freizeit und werden immer öfter dafür gerügt. Sei es zunehmende Bürokratie, rücksichtsloses und gefährdendes Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer oder körperliche Attacken. Man brauche sich nicht wundern, wenn immer weniger Bürger sich zum freiwilligen Feuerwehrdienst melden, sagt Zahn. Der Kommandant sieht in Bezug auf die Wrackteile auch ein logistisches Problem. „Wo sollen wir es denn sonst ablegen?“, fragt er. Abschleppdienste und Autobahnbetriebsdienste kommen meist erst viel später, die Polizei will aber oftmals eine schnelle Verkehrsfreigabe.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. wollte sich zu Einzelfällen nicht äußern. „Wir können da keine Einschätzung abgeben“, sagt Pressesprecherin Kathrin Jarosch. Jeder Fall sei anders und bedürfe der individuellen Abwägung. Generell seien Unfallschäden durch die Kfz-Haftpflichtversicherung als Pflichtversicherung abgedeckt. Wie das im Einzelfall durch Folgeschäden geregelt wird, müsse man jeweils abwägen.





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