Trotz Steigerung: Pegnitzer Polizei meldet Rückgang von Einbrüchen


PEGNITZ. Ein Wohnungseinbruch bedeutet für die Opfer nicht nur einen materiellen Schaden. Die Tatsache, dass sich ein unbekannter Fremder in der Wohnung aufgehalten hat, ist für viele Opfer ein schwer verkraftbarer Eingriff in ihre Privatsphäre. Das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung wird dadurch erheblich negativ belastet. Doch auch die Medien sollen am subjektiven Sicherheitsgefühl schuld haben, hießt es in einer Pressemitteilung der Pegnitzer Polizei.




In den Herbst- und Wintermonaten kommt es erfahrungsgemäß zu einer Steigerung der Fallzahlen im Bereich von Haus- und Wohnungseinbrüchen. Den Tätern kommt in dieser Zeit die früh einbrechende Dunkelheit zu Gute. Nicht beleuchtete Anwesen erleichtern ihnen die Auswahl lohnender Objekte. Deswegen lege die Polizeiinspektion Pegnitz nach eigenen Angaben seit Jahren einen ihrer Tätigkeitsschwerpunkte „auf präventive und repräsentative Maßnahmen“ in diesem Bereich.

Als im Jahr 2017 eine leichte Erhöhung dieser Delikte im hiesigen Dienstbereich festgestellt werden musste, wurden sogar über viele Monate ohne Rücksicht auf anfallende Überstunden zusätzliche Sonderstreifen eingesetzt, um dieses Phänomen zu bekämpfen. Damals waren im Dienstbereich der Polizeiinspektion Pegnitz innerhalb eines Jahres drei Einbrüche und sechs Einbruchsversuche festgestellt worden.



Zahlen heruntergespielt? 

„Durch die intensiven polizeilichen Maßnahmen konnten diese Delikte wieder zurückgedrängt werden“, teilte die Polizei mit. „Weil den Tätern das Risiko, erwischt zu werden, offensichtlich zu hoch wurde“, so die Vermutung der Beamten. Im Jahr 2018 seien im gesamten Dienstbereich der PI Pegnitz nur ein Einbruchdiebstahl und drei im Versuchsstadium steckengebliebene Straftaten registriert worden. Im Jahr 2019 sei es dann lediglich noch zu einem „erfolgreichen“ Einbruchdiebstahl und einem entsprechenden Versuch gekommen. Recherchen unserer Redaktion ergaben allerdings ein anderes Bild. Demnach kam es alleine 2019 zu mindestens sechs bekannten Einbrüchen in Pegnitz, Plech, Bronn und Neudorf. Hinzu kommt der Einbruchsversuch am Pegnitzer Kellerberg.

So ereigneten sich im Mai ein Einbruch in das Bronner Sportheim, ein dortiges Gerätehaus und in eine Scheune in Neudorf. Im Juni dann die zwei Einbrüche in Pegnitzer Autohäuser. Dabei erbeuteten die Täter Bargeld im insgesamt hohen vierstelligen Bereich. Noch höher war der Sachschaden. Im Oktober folgten dann der Einbruch in den Kindergarten von Plech und der Versuch am Pegnitzer Kellerberg. Die Polizei versteckt das alles unter den Begrifflichkeiten und liefert die Zahlen zu den Haus – und Wohnungseinbrüchen. Medial wirksam natürlich.



Auch die von der Polizei deklarierten Zahlen für 2018 scheinen nicht zu stimmen. Es war die Rede von einem „Einbruchdiebstahl“ und drei Versuchen. Hier wurde bereits nicht mehr deklariert, ob private oder gewerbliche Objekte betroffen waren. Doch alleine im April 2018 suchte die Polizei Zeugen für fünf Einbrüche bei verschiedenen Firmen. Insgesamt entwendeten die Täter einen Opel Omega, Werkzeuge und Bargeld in Höhe eines fünfstelligen Betrags. Besonders betroffen waren hier eine Autowerkstatt und ein Entsorgungsbetrieb. Bei drei weiteren Firmen verzeichnete man die von der Polizei beschriebenen Versuche. Bereits im Januar stiegen Unbekannte in das Rathaus von Creußen ein.

Einigkeit besteht dabei, dass die Jahre 2016 und 2017 am schlimmsten waren. Auch wenn die Zahlen der Polizei für das Jahr 2017 durch Medienrecherchen auch wieder überboten wurden. Alleine im noch jungen Jahr 2020 schlagen bereits zwei vollendete Einbrüche in Pegnitz und Waischenfeld zu Buche.

Sicherheitsgefühl sei durch Medien beeinflusst

Die Polizeiinspektion Pegnitz könne die Bürger ihres Dienstbereichs hinsichtlich dieser Straftaten ausdrücklich beruhigen, heißt es in der Presseerklärung weiter. Angst vor Wohnungseinbrechern sei hier völlig unbegründet. Wenn sich Straftäter auf Beutesuche begeben, wie z. B. vor wenigen Wochen am Pegnitzer Kellerberg, „dann werden sie meist durch aufmerksame Bürger bemerkt und der Polizei gemeldet, wodurch solche Straftaten erfolgreich verhütet werden“, sagt Polizeichef Roland Schmitt. Ungestört waren die Täter aber offenbar bei einem Einbruch am Langen Berg in Pegnitz. Gegenüber des Krankenhauses sind die Täter an einem Vormittag im Januar 2020 in ein Haus eingestiegen.



Während die objektive Gefahr, also im Dienstbereich der Polizeiinspektion Pegnitz tatsächlich Opfer eines Einbruchdiebstahls in die Wohnung zu werden, äußerst gering sei, werde das subjektive Sicherheitsgefühl laut Polizeiangaben „durch öffentlichkeitswirksame Berichte der Medien über diese Straftaten negativ beeinflusst“. Unbegründete Ängste, seien das laut Schmitt. Doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Und auch die von der Polizei monierten „öffentlichkeitswirksamen Berichte“, stammen von der Polizei selbst. Meist wurden diese als Zeugenaufrufe gestreut.

Falsche Polizisten an der Tür

Die aufgezeigte Lage zum Wohnungseinbruch sollte im Bewusstsein verankert sein, wenn vor allem ältere Mitbürger einen Anruf erhalten, bei dem sich der Gesprächspartner als angeblicher Polizeibeamter ausgibt und erklärt, dass eine Diebesbande unterwegs sei und dass sie „ganz oben auf deren Liste stehen“ würden. Die Anrufer beabsichtigen hierbei die älteren Leute zu schockieren und zu ängstigen und fragen sie dann über Wertsachen und Geld aus.

Zum Teil werden die Angerufenen mit fantasievollen Geschichten am Telefon gehalten und dazu gebracht, ihre Wertsachen und ihr Bargeld an angebliche Polizeibeamte auszuhändigen, die diese dann in Sicherheit bringen oder ihren Wert überprüfen. Zum Teil geben sich die Anrufer auch als Staatsanwälte oder ähnliches aus. Die letzten entsprechenden Anrufe im Dienstbereich Pegnitz gab es am Mittwoch den 18.12. und am Mittwoch den 11.12. jeweils in den Abendstunden bei zwei älteren Damen. Die beiden Seniorinnen durchschauten aber diese Betrugsmasche und legten sofort auf.



Die Pegnitzer Polizei warnt ausdrücklich davor, bei solchen Anrufen irgendwelche Daten preiszugeben und bittet um unverzügliche Information der echten Polizei. Beamte der Polizei Pegnitz würden niemals anrufen und nach Geld oder Wertsachen fragen oder dazu auffordern, diese der Polizei zu übergeben. Lassen sie sich auch nicht von angezeigten Rufnummern, in denen die 110 vorkommt, täuschen. Die Polizei würde nie mit der Notrufnummer 110 irgendwelche Leute anrufen.

Hinter derartigen Anrufen stecken in der Regel professionelle hochorganisierte Diebesbanden, die arbeitsteilig arbeiten und gutgläubige Menschen um ihre Wertsachen und Ersparnisse bringen. Die Beamten der Polizeiinspektion Pegnitz weisen sich regelmäßig durch ihre Uniform oder durch ihren Polizeidienstausweis aus und werden mit größten Verständnis reagieren, wenn sie bei entsprechenden Zweifeln zunächst über die Rufnummer der Polizei Pegnitz 09241/9906-0 oder den Notruf notfalls rückfragen, ob es sich um echte Polizeibeamte handelt.





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