Bäckerfiliale verweigert Kindern den Toilettengang


KULMBACHPEGNITZ. Es war der Aufreger zum Jahresbeginn in Kulmbach. Eine junge Mutter besucht einen Verbrauchermarkt in Kulmbach und ihr Kind (5) verspürt die Notdurft. Doch das Kunden-WC wird ihr verweigert. Im Internet sorgte der Vorfall für Entsetzen und Verständnis zugleich. Allerdings war das kein Einzelfall. Auch in Pegnitz kam es zu einem ähnlichen Vorfall. 




Julia Ostwald (32) aus Kulmbach ist Mutter und als solche kennt sie das Problem, wenn der Sprössling plötzlich zur Toilette muss. Doch die Kundentoilette im Nettomarkt in der Kronacher Straße ist bei ihrem Besuch am 2. Januar abgesperrt, als ihrem fünf Jahre alten Sohn plötzlich die Blase drückte. Und die diensthabende Mitarbeiterin verweigerte der Mutter den Schlüssel. „Dienstanweisung“, so die kurze Begründung. Nur Kunden sollen Zutritt erhalten, erfährt die 32-Jährige. Als Kunde war die Familie im Nettomarkt einkaufen, nicht beim Bäcker direkt. Bargeld für einen Bäckereinkauf hatte die Frau nicht bei sich. Und somit blieb es beim strikten Toilettenverbot.

Betrieben wird die Toilette von der im Kassenbereich ansässigen Stadtbäckerei Schaller, sagt Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount. Der Verbrauchermarkt selbst habe kein Kunden-WC. Grundsätzlich sei es bei Netto so, „dass unsere Mitarbeiter aus hygienischen Gründen unseren Kunden die Benutzung der Personaltoiletten nicht gestatten dürfen“, sagt Stylianou. Natürlich gebe es auch Ausnahmefälle, in denen Kunden entgegengekommen werden darf und soll. „In solchen Situationen können unsere Mitarbeiter in Einzelfällen unseren Kunden die sanitären Räume der Mitarbeiter anbieten“, bestätigt Stylianou. Nach den Personaltoiletten zu fragen, wagte die 32-Jährige nach der Abfuhr beim Bäcker allerdings nicht mehr.



Kein Einzelfall

Eine Sprecherin der Stadtbäckerei Schaller, die nicht namentlich genannt werden will, bedauert den Vorfall sehr. Zwar sei es richtig, dass es diese Dienstanweisung im Umgang mit Nichtkunden gibt, allerdings setze man bei den Mitarbeitern auf das zwischenmenschliche Feingefühl. „Offenbar traute sich die betroffene Angestellte nicht, von der Regel abzuweichen“, mutmaßt die Sprecherin. Ein kurzes Gespräch habe es bereites gegeben. Zudem will man aber jetzt seitens der Geschäftsleitung alle Filialen anschreiben und auf Sonderregelungen hinweisen, damit einer akuten Notduft niemand im Wege steht.

Das Schreiben hat die Filialen der Fabrikbäckerei aber offenbar noch nicht erreicht. Am 11. Januar wiederholte sich dieser Fall in Pegnitz. Auch hier hat die Firma aus Weiden eine Filiale. Auch hier wurde einem Kind (4) verwehrt. Auf dem Weg zum Gebüsch ging es dann bereits in die Hose. Vater und Sohn mussten sich dann auch noch Sprüche anhören lassen, dass man „hier ja wohl nicht öffentlich hinpinkeln muss“.

Bei Familie Ostwald habe man sich bereits entschuldigt, sagt Unternehmenssprecherin Gottwald. Auch eine Entschädigung habe man ihr angeboten. „Ein Einkaufsgutschein“, sagt Mama Julia. Ihr ist aber wichtig, dass andere Eltern künftig nicht mehr vor diesem Problem stehen, sagt sie. Doch diese Rechnung ging leider nicht auf.



Fehlende Empathie

Weil sich Julia Ostwald über den Vorfall bei Facebook echauffierte, gab es geteilte Meinungen zum Toilettenthema. „Eine Schweinerei“, „menschenunwürdig“, so einige Postings. „Ich finde das typisch deutsch Kinder-unfreundlich, wenn man ein Kind nicht mal auf die Toilette lassen kann“, postet eine weitere Kulmbacherin. „Völlig in Ordnung, schließlich ist es eine KUNDENToilette“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer verweist auf andere Unternehmen und Fastfoodketten, die seit Jahren so handeln. Vor allem im Bezug auf Verwüstung und Verunreinigung. Doch genau hier sei das von Gottwald geforderte Feingefühl gefragt.

Wenig Feingefühl zeigten mehrere Facebook-Schreiber. Sie machten sich über fehlende Satzzeichen, schlechte Grammatik und Rechtschreibung der Themenerstellerin lustig. Die Kulmbacherin hat eine Lese-und Rechtschreibschwäche, wie sie selbst mitteilte. Es habe sie gekränkt, wie man das ausschlachtet. Sie wollte eigentlich ihrem Ärger Luft machen und erntete einen kleinen Shitstorm.

 




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