Bayreuther Zentrum: Bewährungsstrafe für mehr als 700 Fälle der Untreue


BAYREUTH. Heute Morgen begann der Prozess gegen Jana S., die ehemalige Geschäftsführerin der Bayreuther Kultureinrichtung „Zentrum“. Mehr als 210.000 Euro soll die heute 50-Jährige veruntreut haben. Und niemand will etwas gemerkt haben. Mehr als 700 Mal hat sie zugeschlagen und kam am Ende mit einer Bewährungsstrafe davon.




Ganz in schwarz gekleidet, die Haare streng zu einem kleinen Zopf streng zurückgebunden, weint S., als sie vor Prozessbeginn fotografiert wird. Immer wieder schluckt sie, während sie der Anklage zuhört, ihr Blick geht ins Leere. Seit 2008 war sie Geschäftsführerin des Zentrums, seit 2015 bediente sie sich auf den Konten und der Kreditkarte des Zentrums. Mehr als 210.000 Euro waren es 2017, als sie im August erwischt wurde, weil die Gehälter der Angestellten nicht rechtzeitig gekommen waren.

Insgesamt sind über 700 Straftaten angeklagt. Mit Fantasieunterschriften habe S. zahlreiche Rechnungen gefälscht und das Geld eingestrichen. Obwohl sie in ihrer seit 2008 laufenden Tätigkeit ein Jahresgehalt von über 70.000 Euro kassierte. Drei Jahre lang sind niemandem die vielen Fake-Rechnungen aufgefallen. Beispielsweise ein Mittagessen in Berlin mit der Philharmonie für 1495 Euro. Mit wem war S. essen? Mit einem ganzen Orchester?



Eine Nachbesprechung mit zwei Leuten des Orchesters für 500 Euro. Speicherkarten, Decken, Kissen und Matratzen für einen Theater-Workshop: 800 Euro – alles ohne Belege. Und natürlich ohne anzugeben, wofür sie dies brauchte. Rechnungen für Reifen wuchten und Autoreparaturen, auf denen Kennzeichen und Fahrgestellnummer waren; von Videokameras bis zu Ladegeräten für Handys. Sogar ein Lippenstift. Jana S. zahlte alles mit Geld vom Zentrum. Und das seit dem 1. Januar 2015, einem Mittwoch. Sie missbrauchte für ihre Bestellungen und den Bedarf an Bargeld verschiedene Konten und die Kredit-Karte des Zentrums.

Sie selbst gab an, kaufsüchtig zu sein. Das bestätigt Stefan Specht, Beisitzer im Zentrums-Vorstand und CSU-Stadtrat. Denn am 4. Oktober 2017 bekam S. unangekündigten Besuch von den Verantwortlichen des Zentrums. Der Raum soll voll mit Paketen gewesen sein, wie der Kurier berichtet. Die 50-Jährige soll in Tränen ausgebrochen sein und zugegeben haben, unter Kaufzwang zu leiden. Eine Therapie sei 2015 gescheitert, „private Probleme“, hätten zu einem Rückfall geführt.



Bewährungsstrafe

Das Urteil kam heute schnell und überraschend. Die frühere Geschäftsführerin ist zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Das Gericht befand die Frau der Untreue in exakt 755 Fällen für schuldig. Der Gesamtschaden, den das Zentrum erlitten hat, wird auf rund 200.000 Euro beziffert. Ins Gefängnis allerdings wird die 49-Jährige nicht einrücken müssen. Das Gericht unter Vorsitz von Alois Meixner, hat die Haftstrafe nämlich zur Bewährung ausgesetzt. Zur Begründung hieß es, die frühere Zentrumschefin sei von Anfang an geständig gewesen, habe an der Aufklärung mitgewirkt und habe sofort mit Wiedergutmachung begonnen.

Denn inzwischen soll S. fast alles zurückgezahlt haben. Dafür habe sie auch eine Wohnung in ihrer Heimat Tschechien verkauft. Als S. erwischt wurde, sagte Specht, wollte sie behilflich sein, die Sache aufzuklären und wiedergutzumachen. Sie räumte ein, für die Buchhaltung zahlreiche Ersatzbelege ausgestellt zu haben. Mehrere Dutzend pro Jahr. Einmal habe sie sogar 1000 Euro von ihrem Privatkonto für gefährdete Gehaltszahlungen zugeschossen. Sie unterschrieb beim Notar ihr Schuldeingeständnis.

Laut Staatsanwaltschaft hat sie schon etwa 46.000 Euro zurückgezahlt. Des Weiteren soll ein Rest von etwa 20.000 Euro am Dienstag überwiesen worden sein. Laut Verteidigerin soll das Zentrum dann noch etwa 115.000 Euro zurückbekommen. Dokumente würden belegen, dass das Geld da sei.  „Damit ist der Schaden wieder gut gemacht“, sagt Brettschneider.



Das sei vor allem bei der Strafzumessung ein wichtiger Punkt gewesen. 115.000 Euro – „das ist realistisch“, sagt Specht, aber bestätigen kann er das nicht. Dafür habe S. eine Immobilie in Brünn verkauft. Das Zentrum hatte die Zwangsversteigerung eingeleitet. Das Treiben der Jana S. ist übrigens erst ans Licht gekommen, als die Angestellten gemerkt haben, dass ihr eigenes Geld im August 2017 nicht rechtzeitig kam und die Verantwortlichen auf die Suche für die Ursachen gingen.




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