Wasserstreit in Leups: Feuerwehr soll Demonstranten mit Wasser bespritzt haben


PEGNITZ/LEUPS. Der Leupser Wasserstreit eskaliert. Am Freitag fand die offizielle Inbetriebnahme der Ringleitung statt. Mehrere Bürger hatten sich deswegen zu einem friedlichen Protest unterhalb der Quelle am „Leupser Schupfn“ eingefunden. Daraufhin soll die Feuerwehr angewiesen worden sein, mit Wasserwerfern zu antworten. Wir haben mit den Beteiligten gesprochen.




Im Eiltempo hat die Juragruppe die in Leups umstrittene Ringleitung verlegt. Grund dafür sei der Wassermangel in Leups, sagt Werkleiter Hans Hümmer. Besonders gefährlich, weil dadurch auch zu wenig Löschwasser zur Verfügung stand. Und in Leups kennt man die Folgen eigentlich. Im Mai 1952 brannte nahezu die gesamte westliche Dorfhälfte nieder. „So etwas darf nie wieder passieren“, erinnert Bürgermeister Uwe Raab. Für ihn ist die Ringleitung unumgänglich gewesen.

Löschwassermangel ist indiskutabel

Die prekäre Wasserlage in Leups war im Juli 2019 der Grund einer offiziellen Besprechung unter Vertretern der Juragruppe, der Stadt, sowie Vertretern der Feuerwehrlandkreisführung und des örtlichen Kommandanten. Mit Ausnahme des letzt genannten, haben damals alle Beteiligten für ein besprochenes Notfallkonzept gestimmt. Darin war eben auch der Bau der Notversorgungsleitung enthalten. Auf dieser Grundlage beschloss zudem der Stadtrat einstimmig, dass man den Bau mit 50 Prozent Kostenbeteiligung tragen werde. Die Lage spitzte sich so extrem zu, weil die Leupser Quelle vor allem in Dürremonaten immer weniger Wasser lieferte. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 46 Kubikmetern, seien nur 41 Kubikmeter nachgelaufen, sagt Bürgermeister Uwe Raab. Zahlen, die von der Juragruppe stammen und laut dem Leupser Bürgerverein „erstunken und erlogen“ sind. Raab sagt allerdings, er sehe keinen Grund, an den Zahlen zu zweifeln.

Zwar sei die Löschwasserversorgung sichergestellt gewesen, aber auf äußerst dünnen Beinen und nur mit größter Not. „Keine Dauerlösung“, sagt der Pegnitzer Feuerwehrkommandant Roland Zahn. Besonders wichtig sei der Lückenschluss der Ringleitung zwischen Kaltenthal und Leups, damit auch der Pegnitzer Stadtkern gesichert ist, sagt Bürgermeister Raab. Mit dem Ring um die gesamte Stadt sei man auch mit Auerbach verbunden und könne sich gegenseitig absichern. Sollte das Wasser nach einem größeren Umweltschaden abgestellt werden müssen, denkbar sei beispielsweise ein Unglück auf der Autobahn, so könne man auf ein zweites Standbein zurückgreifen. Diese Interessen müssen überwiegen, sagen Juragruppe und Stadt. Man habe schließlich Verantwortung.



Illegale Demonstration 

Nach nur wenigen Monaten Bauzeit ist die neu geschaffene Verbundleitung seit Freitag nun aktiv. Bei der offiziellen Inbetriebnahme brachte Hans Hümmer Lautsprecher und Mikro mit. Er wusste bereits, was auf ihn zukommt. Der Verein Pro Leupser Quellwasser e.V. soll zu einem Protest aufgerufen haben, auch wenn Beteiligte das „Zusammentreffen mehrerer Bürger“ als Zufall deklarierten. Tatsächlich gibt es aber keine offiziellen Aufrufedazu. Und so versammelten sich insgesamt etwa 30 Menschen. Die friedlichen Demonstranten – unter Ihnen angeblich auch Kinder und Jugendliche – waren mit Plakaten, Trillerpfeifen, Rasenmäher, Laubsauger, laufendem Motorrad, Ratschen und weiteren Utensilien bewaffnet um lautstark ihren Protest zu bekunden. Alles rein zufällig, sagt Peter Strese, der Vorsitzende des Vereins zwinkernd. Sein Motorrad habe gestreikt und deswegen musste er stehen bleiben. Bürgermeister Uwe Raab sieht das eher faktisch, auch weil die Menschen mit gebastelten Plakaten gekommen sind. Er habe Verständnis dafür, wenn Bürger für ihre Belange einstehen und wie in diesem Fall um ihre Quelle kämpfen. Nicht aber für eine unangemeldete Demonstration. Vorgehen will er dagegen nicht, wie er sagt.

Auch die Feuerwehr Pegnitz war vor Ort. Auf Wunsch der Juragruppe, wie Bayern-Reporter erfahren konnte. Alles abgesegnet vom Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab. Im Verlauf der Veranstaltung soll die Feuerwehr dann eine Wasserversorgung aufgebaut haben. Danach habe man den Wasserwerfer angeworfen und die Menschen mit Wasser bespritzt. „Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist dies alles andere als ein Spaß und auch bei weitem kein Kavaliersdelikt“, sagte Peter Strese von Pro Leupser Quellwasser e.V.. Warum das Feuerwehrauto vor Ort war, weiß er nicht, wie er bei Facebook schreibt. Auch welche Wehr es war, konnte er nicht sagen. Auf Facebook zeigte sich der Verein ahnungslos. Im Interview sagte ein Sprecher dann aber, dass es sich um eine Demonstration zum Wasserdruck gehandelt haben soll. Glauben will man das in Leups nicht. Hat man diese Erkenntnis absichtlich weggelassen bei Facebook? „Nein“, sagt ein Vereinssprecher auf Nachfrage. Man habe den Grund erst später erfahren. Bei den Menschen wurde damit die Feuerwehr aber in ein schlechtes Licht gerückt. Und auch im Nachgang wurde das vom Bürgerverein nicht geändert oder klargestellt.



Recherchen unserer Zeitung ergaben, dass es sich um ein Tanklöschfahrzeug der Pegnitzer Feuerwehr handelte. Ein so genanntes TLF 24/50. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung habe der Wasserwart der Juragruppe bei der Feuerwehr angefragt, ob man ein Fahrzeug entsenden könne. Der Grund: Man wollte demonstrieren, dass die Löschwasserversorgung in Leups nun sichergestellt sei. Es war geplant, rund zwei bis drei Minuten lang eine Fontäne an den Waldrand zu schießen. Die Feuerwehr holte sich grünes Licht beim Bürgermeister und sagte zu.

Vorsatz oder Fahrlässigkeit?

Weil die Demonstranten am Freitag zunächst auch alle am „Schupf`n“ standen, sprach nichts gegen die geplante Aktion der Feuerwehr. Auch vom neuen Schacht aus wurde Wasser in den Wald gespritzt. Schon im Vorfeld hatte man alles getestet, weswegen klar war, welche Bereiche nass und gefährdet sind. Allerdings sei die Einstellung mehrfach geändert worden. Das bestätigte dann auch Franc Marx vom Leupser Bürgerverein. Er versteht allerdings nicht, warum man dann nicht abgebrochen hat, als klar war, dass der Sprühnebel in Richtung der Menschen ging. Zwar habe der Feuerwehrmann nicht direkt auf die Demonstranten gespritzt, wie er einräumte, aber er spricht von einer „höheren Anweisung“, dass man es eben indirekt vollziehen sollte. Beweise für eine solche Anordnung gibt es allerdings nicht. „Das klärt die Staatsanwaltschaft“, sagt Marx. Denn es sei bereits Anzeige erstattet worden, wie er erfahren habe. Ob man hier als Verein auch noch nachziehen wird, soll am Montag geklärt werden. Das Wasser selbst wurde in einem sehr hohen Bogen drei Minuten lang Richtung Wald gespritzt. Dass aus dem Sprühnebel heraus Wasser auf die Menschen herabgeht, „dürfte physikalisch nachvollziehbar sein“, sagten einige Augenzeugen.

Unserer Redaktion liegt unter anderem ein Video vor, aus dem ersichtlich ist, dass die Feuerwehr ihren Wasserstrahl vor der Veranstaltung zunächst viel weiter weg positionierte. „Das war um 15.16 Uhr“, sagt Marx. Dabei sieht man, wie die Fontäne abseits der Veranstaltung auf den Bauplatz unterhalb der neuen Anlage niedergeht. Weil dort aber auch offenes Werkzeug eingelagert war, habe man den Werfer leicht nach rechts versetzt in den Wald gerichtet, sagt Kommandant Roland Zahn. „Klingt schlüssig“, bestätigt Marx.



Auf Befehl gehandelt

Auf einem Video, das vom Verein Pro Leupser Quellwasser e.V. auf Facebook gepostet wurde, sieht man den hohen Strahl ebenfalls. Ein menschengerichteter Wasserwerfereinsatz ist auch hier nicht zu erkennen, wie es zunächst behauptet wurde.  Auch ein anwesender Kurierreporter bestätigte, dass der Wasserstrahl in den Wald gerichtet wurde. Einige Demonstranten hatten den Bereich auch bereits wieder verlassen. Andere setzten sich dem Wassernebel angeblich absichtlich aus. Man habe die Feuerwehrmänner gebeten, abzubrechen, weil die Leupser Bürger „patschnass“ wurden. Die Wehrmänner hätten erwidert, auf Befehl zu handeln. „Wasserstopp“ müsse von den Verantwortlichen der Veranstaltung gegeben werden. Daraufhin seien einige Bürger beleidigend und aufbrausend geworden, statt im normalen Ton zu sprechen. „Mit uns kann man reden“, sagte einer der beiden Pegnitzer Feuerwehrmänner. 

Nach den vereinbarten 120-180 Sekunden wurde das Spektakel wie besprochen wieder eingestellt. Zeitgleich hatte aber auch ein Leupser Feuerwehrmann den Hydranten abgedreht. Strese sagt, sonst wäre das noch weitergegangen. Allerdings hätte die Feuerwehr wohl noch genug Munition gehabt. Ein TLF 24/50 verfügt über einen auf dem Dach befindlichen Schaum-Wasser-Werfer mit einer Reichweite von 60 Metern. Der Tank fasst rund 5.000 Liter Wasser. Aber es war nur eine Kurzdemonstration des Hydranten geplant. Wäre die Versammlung der Demonstranten ordnungsgemäß angemeldet gewesen, hätte man ihnen einen Platz zuweisen können, sagt Bürgermeister Uwe Raab. Dann wäre ihnen vielleicht auch das Wasser erspart geblieben. Allerdings blieben auch einige Stadträte und die Herrschaften der Juragruppe nicht unverschont vom eigenen Wasser. 

Bürgermeister Raab betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass von seiner Seite aus keinerlei „Befehle“ ausgegangen sind, wie es teilweise dargestellt wurde. Er rufe auch zu einem besonnen Umgang mit den Leupser Bürgern auf und stehe zugleich hinter der Feuerwehr. Raab habe lediglich den Feuerwehreinsatz genehmigt, dessen Kosten im übrigen die Kommune selbst tragen muss. Hier schlagen allerdings nur einige wenige Euro Spritgeld zu Buche, weil das Personal ehrenamtlich tätig war. Und natürlich der Stoff, um den es hier seit Jahren geht. Das „knappe Wasser“, das jetzt als „Nikolausgeschenk“ per Leitungsanschluss ausreichend sei.



Feuerwehrkräfte beleidigt und Hydrantenschlüssel gestohlen

Im Nachgang, als das Video der Leupser bei Facebook gepostet wurde, war seitens einiger Nutzer die Rede von Angriffen auf Demonstranten. Auch der Vereinssprecher von Pro Leupser Quellwasser sagte im Interview, dass die Wasserwerfer-Aktion Vorsatz war. Verwerflich sei auch die Wasserverschwendung und der Missbrauch von Rettungsmitteln, heißt es in den Kommentaren bei Facebook. Vom mutwilligen „Dauergas“ eines Motorrades, war keine Rede in dem Facebookbeitrag der Leupser. Im Video ist zu sehen, wie ein Mann die Abgase vorsätzlich in die Luft stößt. Es gehörte offenbar Peter Strese. Es soll genau an dieser Stelle ausgegangen sein und er habe lediglich versucht, es immer wieder zum Starten zu bringen. Dabei machte er dann fragwürdige Handbewegungen in Richtung Feuerwehr. 

Zudem mussten sich die beiden Feuerwehrkräfte auf das Übelste beschimpfen lassen, wie einer der beiden Männer am Samstag mitteilte. „Wir sollen uns verpissen und wir seien Arschlöcher“, habe man den Ehrenamtlichen zugerufen. Das sei passiert, als man lautstark und mit Nachdruck aufgefordert wurde, das Wasser abzustellen. Davon habe Franc Marx von der Leupser Feuerwehr erst durch unseren Reporter erfahren, wie er sagt. „In Anbetracht des unmöglichen Verhaltens und der angespannten Situation sicher nicht ganz falsch formuliert“, sagt er lächelnd. Er hätte es anders ausgedrückt.

Zudem wurde den Pegnitzer Feuerwehrleuten der Schlüssel für den Hydranten abgenommen. Zwar habe man diesen später wieder zurückgebracht, aber es zeige sehr gut, mit welchen Mitteln dort gearbeitet werde. Kommandant Roland Zahn zeigte sich entsetzt. Der Umgang mit der Feuerwehr sei ein „Schlag in das Gesicht des Ehrenamts“. Tag und Nacht stehe man zur Verfügung und müsse sich dann noch beleidigen und instrumentalisieren lassen. Der Vorwurf, man habe absichtlich den Wasserwerfer auf Menschen gerichtet, konnte zwar widerlegt werden, aber dennoch belastet das die Wehrmänner schwer. Sie haben auf Anordnung gehandelt und niemanden gefährdet, sagt Zahn. „Vermutlich war der junge Pegnitzer Feuerwehrmann noch etwas ungefestigt und hat sich von einem der hohen Herren zu dieser Schandtat instrumentalisieren lassen, ohne zu wissen welche Tragweite diese Aktion hat“, fügt Franc Marx hinzu.



Leupser Wehr war nicht informiert

In Leups kam die Diskussion auf, warum die örtliche Wehr nicht mit der Pumpendemonstration beauftragt wurde. „Das hatte den Hintergrund, weil in Leups kein solches Fahrzeug mit entsprechender Größe und Ausstattung vorhanden ist“, sagt Bürgermeister Raab. Die Anforderung kam direkt von der Juragruppe. Allerdings, und das muss sich die Pegnitzer Feuerwehr gefallen lassen, gibt es einen kleinen Kritikpunkt in der ganzen Angelegenheit. Die Verantwortlichen haben es versäumt, die örtliche Wehr aus Leups zu informieren. Kommandant Thomas Funk zeigte sich bei einem Aufeinandertreffen am Samstag mit Bürgermeister und Pegnitzer Kommandant verärgert darüber. „Den Schuh müssen wir uns anziehen“, sagt Feuerwehrchef Roland Zahn. Das gehöre zum guten Stil, der Kameradschaft und Zusammenarbeit. Aber auch die Stadt Pegnitz hatte das nicht auf dem Schirm, bedauerte Raab. „Wir können das nicht rückgängig machen, wir können uns nur entschuldigen“.

Der Leupser Wasserstreit, er wird wohl niemals enden.



Foto: Markus Roider




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