Pegnitzer Wiesweiherpark: Polizei bestätigt Drogenverteilung an Kinder


PEGNITZ. Heute Vormittag wurden im Raum Pegnitz und Auerbach zahlreiche Wohnungen durchsucht und mutmaßliche Rauschgifthändler festgenommen. Konkret geht es um die Drogenszene am Pegnitzer Wiesweiher. Wir hatte bereits über einen Polizeieinsatz dort berichtet. Wie die Polizei jetzt bestätigte, wurden Drogen teilweise an Kinder verschenkt, um diese auf den Geschmack zu bringen. 




Im Herbst diesen Jahres stellten Beamte der Polizeiinspektion Pegnitz erstmals bei einer Kontrolle von Jugendlichen und Kindern im Bereich des Pegnitzer Wiesweihers Rauschgift sicher. Aufhorchen ließ die Polizei jedoch die Tatsache, dass hier schon mehrere Kinder im Alter von 14 Jahren beteiligt waren. Da Rauschgiftkonsum bei Kindern und Jugendlichen mit der Gefahr schwerster gesundheitlicher Schäden verbunden ist und zu irreparablen Schäden führen kann, waren die Pegnitzer Polizisten sofort hellhörig und sensibilisiert.

Erste verdeckte Überwachungsmaßnahmen und eine Vorbesprechung mit dem zuständigen Jugendamt in Bayreuth schienen zu bestätigen, dass es sich hierbei nicht um einen absoluten Einzelfall gehandelt hat. Daher erfolgte auf Initiative des Jugendamtes in Bayreuth eine Einladung an alle Verantwortungsträger anderer Stellen und Behörden, um im Rahmen einer gemeinsamen Besprechung abzuklären, inwieweit tatsächlich eine Problemlage beobachtet wird und welches Ausmaß diese haben könnte. Dazu sollten alle Beteiligten sensibilisiert werden.

Das Bild, das sich daraus Anfang November ergeben hatte, war allerdings eher disparat. Weder das Gesundheitsamt noch die Schulen konnten konkrete Fälle schildern. Dennoch wurde vereinbart, dass der bestehende Arbeitskreis „Unsere Stadt gemeinsam gegen Drogen“ sich unter der Leitung des kommunalen Jugendpflegers der Stadt Pegnitz intensiv der Problematik annimmt.



Drogen an Kinder verteilt: Eltern besorgt

Während die Pegnitzer Polizisten ihre Überwachungsmaßnahmen intensivierten und bei gezielten Kontrollen von Kindern und Jugendlichen nunmehr immer häufiger auf Drogen stießen, suchten auch einige verantwortungsbewusste Eltern die Hilfe der Polizei, da sie erkannt hatten, dass sich ihre Kinder in kurzer Zeit offenbar zum Nachteil verändert hatten. Weitere anonyme Mitteilungen angeblich besorgter Einzelpersonen bestätigten zwar grundsätzlich die offensichtliche Gefahr, waren aber mangels konkreter Aussagen nicht hilfreich.

Im Rahmen umfangreicher verdeckter Maßnahmen der Pegnitzer Polizei gelang es in den letzten Wochen und Tagen ein Netzwerk von Personen zu identifizieren, die im Verdacht stehen, an Kinder und Jugendliche im Pegnitzer Raum Drogen zu liefern. Neben Marihuana sollen Ecstasy, verschreibungspflichtige Aufputschmittel und Kräutermischungen sogar Crystal Meth verteilt werden. Durch die öffentliche Berichterstattung in den letzten Tagen ergab sich für die Polizei ein erheblicher zeitlicher Handlungsdruck, da schon beobachtet werden musste, dass die Dealer vorsichtiger geworden sind. Sie hatten bereits damit begonnen, Beweismittel zu vernichten und Zeugen zu beeinflussen. Zudem hielten sie offenbar kaum noch Drogen vorrätig, sondern verkauften nur noch auf konkrete Bestellungen.

Polizei im Dauereinsatz

Bayern-Reporter hatte bereits über einen Polizeieinsatz vom 19. November berichtet.  Mehrere Jugendliche wurden von Zivilbeamten an die Wand der Bushaltestelle gepresst und durchsucht. Wenige Schritte weiter, auf dem Spielplatz, standen ebenfalls drei oder vier Jugendliche. Sie haben geraucht, sagt die Frau. Nicht ungewöhnlich, auch wenn das am Spielplatz nicht gerne gesehen wird. „Aber die haben ihre beiden Hände zu einer Höhle gefaltet“, erzählt die junge Mutter weiter. Und dabei hätten sie sich immer zum Gebüsch gedreht. Später kam die Polizei dazu, da hat sich die Familie aber lieber auf den Heimweg gemacht.

Verdächtiges Treiben auf dem Spielplatz.

Über Ergebnisse, Funde oder Festnahmen ist zunächst nichts bekannt geworden. „Da gibt es auch selten Informationen“, weiß unser Polizeireporter. Meistens erst dann, wenn alles in trockenen Tüchern ist, und sich die Täter gegenseitig verraten haben, „um Strafmilderung zu bekommen“. Und das Konzept der Behörden ging scheinbar auf.



Zahlreiche Durchsuchungen am Dienstag

In einer gemeinsamen Aktion mit den Kriminalpolizeiinspektionen Amberg und Bayreuth sowie den Operativen Ergänzungsdiensten Amberg, Bayreuth und Hof wurden am Dienstagmorgen zehn Objekte in den Dienstbereichen Pegnitz und Auerbach durchsucht, sieben Personen vorläufig festgenommen und eine Vielzahl von Beweismitteln sichergestellt. Die Ergebnisse dieser Durchsuchungen werden voraussichtlich Eingang in verschiedene Strafverfahren bei den Staatsanwaltschaften Bayreuth, Amberg und Nürnberg-Fürth finden.

Da die Pegnitzer Polizei Erkenntnisse dahingehend hat, dass offenbar auch einige Kinder aus intakten und verantwortungsbewußten Elternhäusern in Rauschgiftgeschäfte verstrickt sind, wird sie in nächster Zeit je nach Ermittlungsstand direkt mit den jeweiligen betroffenen Eltern in Kontakt treten und diese über ihre Erkenntnisse informieren. Zum Schutze der Kinder und um eine Stigmatisierung zu vermeiden, werden diese Daten mit größter Sensibilität behandelt, so „dass eine weitere detaillierte öffentliche Berichterstattung vermutlich nicht möglich sein dürfte“, sagt Polizeichef Roland Schmitt.



Nach aktuellem Stand geht die Polizei aber davon aus, dass mehrere Dealer im jungen Erwachsenenalter zum Teil gezielt Kinder angesprochen und diese dazu überredet haben, selbst Drogen zu konsumieren und diese auch an ihre Schulfreunde weiter zu geben. Erste Marihuanaportionen sollen ihnen sogar geschenkt worden sein. Zum Teil soll sich innerhalb weniger Wochen ein schwunghafter Handel ergeben haben, bei dem nicht nur das Taschengeld, sondern auch diverse Geldschenke in Drogen umgesetzt wurden und es sogar schon zu Diebstahlshandlungen gekommen ist, um den Drogenbedarf zu finanzieren.

Angst vor Drogengeschäften im Pegnitzer Wiesweiherpark

 


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