„Kollegah“-Auftritt in Nürnberg sorgt für Zündstoff


NÜRNBERG. Zündstoff in Nürnberg: Die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, das Menschenrechtsbüro und die Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg positionieren sich deutlich gegen den geplanten Auftritt des Rappers Kollegah am 12. Dezember 2019 im Nürnberger Löwensaal.




Felix Blume alias Kollegah befeuere mit seinen Äußerungen und Texten Vorurteile, verbreite Ängste und grenze Menschen aus, heißt es in einer von der Stadt Nürnberg gesteuerten Pressemeldung. Auch wenn er regelmäßig Antisemitismusvorwürfe zurückweist, transportiere er aber in seinen Songs und Videos nicht nur antisemitische, sondern auch gewaltverherrlichende und sexistische Botschaften.

So stellt er zum Beispiel in einem Musikvideo die Menschheitsgeschichte als Kampf von Gut gegen Böse dar, wobei im Video das Böse in Gestalt des Teufels einen Ring mit Davidstern trägt. In seinen Songs werden Frauen „zu Tode gefickt“, Hunde auf Homosexuelle gehetzt und sein Körper als „definierter als von Auschwitzinsassen“ verherrlicht. Seine nachträgliche Distanzierung von derart unerträglichen Äußerungen sind ein bekanntes Stilmittel rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien und Gruppierungen.



Aus Sicht des Menschenrechtsbüros findet auch die verfassungsrechtlich verbürgte Kunstfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes ihre Sinngrenze da, wo die Menschenwürde verletzt und Gewalt gegen Frauen und Minderheiten verherrlicht werden. Die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg und das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg setzen sich seit vielen Jahren ein für Menschenwürde und Demokratie, gegen Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Den Auftritt von Kollegah gerade in Nürnberg zuzulassen, ist ein Affront für alle, die sich für ein friedliches Zusammenleben und den Schutz von Minderheiten einsetzen. Kollegah trägt mit seinen Texten öffentlichkeitswirksam zur stückweisen Verschiebung der Grenzen des Unsagbaren bei. Das Konzert befeuert damit die Strategie der extremen Rechten, Grenzen zu überschreiten, nur um danach wieder zurück zu rudern. Aus Worten werden Taten. Auch im Forderungskatalog der Allianz nach dem entsetzlichen Anschlag in Halle, sagen wir deutlich, dass wir alle aufgefordert sind, der Verrohung der Sprache entgegenzutreten. (Stephan Doll, Vorsitzender der Allianz)

Auch die Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg, Hedwig Schouten, zeigt sich entsetzt: „Noch heute stirbt jeden dritten Tag in Deutschland eine Frau durch häusliche Gewalt. Am 11. und 12. Dezember organisieren wir eine Tagung zum Thema „Gewalt kostet! – Auswirkungen von häuslicher Gewalt auf Individuen, Staat und Gesellschaft“.



Es ist deshalb ein „Schlag ins Gesicht“ der Teilnehmenden und eine Verhöhnung aller von Gewalt betroffener Frauen, dass am 12. Dezember gleich im Anschluss an diese Tagung Kollegah mit seinen frauenverachtenden und gewaltverherrlichenden Texten wie „Dein Chick ist ne Broke-Ass-Bitch, denn ich ficke sie, bis ihr Steißbein bricht“ auftreten soll“.

Das Menschenrechtsbüro, die Frauenbeauftragte und die Allianz betonen, dass ein Kollegah-Konzert insbesondere in einer Stadt wie Nürnberg – der Stadt des Friedens und der Menschenrechte – nicht unkommentiert gelassen werden darf. Noch unerträglicher wird das Konzert durch die Tatsache, dass sich in unmittelbarer Nähe des Löwensaals eine Gemeinschaftsunterkunft für alleinstehende Frauen und Mütter befindet, die Schutz suchen.


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Im vorliegenden Artikel stammt das Bild von www.pitpony.photography.de



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