Bayreuther Schüler geschlagen: Verfahren gegen Auflage eingestellt


BAYREUTH/BAMBERG. An der Albert-Schweitzer-Schule in Bayreuth soll es in der Woche vor den Pfingstferien 2019 zu einem heftigen Vorfall gekommen sein. Zwei Betreuerinnen eines Hilfsdienstes, der in der Schule Arbeitsgruppen anbieten, sollen Schüler geschlagen und misshandelt haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft reagiert.




Als unsere Redaktion damals von dem Fall berichtet hat, schlug dieser hohe Wellen. Die beiden Frauen standen im Verdacht, mindestens zwei Schüler der Albert-Schweitzer-Schule im Rahmen der gebundenen Ganztagsschule in der Arbeitsgemeinschaft „Bauernhof“ körperlich schwer attackiert zu haben. Zwei Mütter hatten Anzeige erstattet. Konkret geht es um einen Vorfall vom 6. Juni 2019. Die Schüler der Ganztagsklasse befanden sich laut Angaben von Eltern und Schulamt mit den beiden Betreuerinnen der Malteser auf einem Bauernhof im Bayreuther Stadtteil Destuben. Wie Dr. Christian Stock, der stv. Diözesangeschäftsführer der Bamberger Malteser mitteilte, beschäftigt der Hilfsdienst als Kooperationspartner der Albert-Schweizer-Schule die Betreuungskräfte im Rahmen der Ganztagsschule. Die Arbeitsgruppe war zum ersten Mal auf dem Anwesen um sich vorzustellen.

Wie die Mutter einer 13-jährigen Schülerin mitteilte, sei das Mädchen mit drei weiteren Teilnehmern an einem Zaun zum Hühnerstall gestanden. Aus Angst, dass die Kinder das Gehege öffnen, habe eine der Betreuerinnen „die Schüler angebrüllt“, erzählt die 31 Jahre alte Mutter und beruft sich dabei auf die Aussagen der Kinder. Weil die Anweisung sehr ungehalten gewesen sein soll, habe die 13-Jährige gesagt, dass man das „auch im normalen Ton“ sagen könne. Daraufhin sei Claudia N. „mal wieder ausgerastet“, sagt die Schülerin.



In den Bauch geboxt 

Völlig außer sich sei die Betreuerin gewesen. Sie habe die 13-Jährige an der Schulter gepackt, zu sich gedreht und ihr in den Bauch geboxt. Das Mädchen, das seit Geburt ein Loch im Herzen hat, habe starke Schmerzen und Atemnot erlitten. Einen zweiten Schüler habe N. ebenfalls gepackt und in Richtung Hühnerstall geschubst. Die beiden anderen Kinder seien dann vor der Betreuerin geflüchtet und blieben unversehrt. Claudia N. und ihre Kollegin hätten sich anschließend auch lustig darüber gemacht, weil die Schüler plötzlich kleinlaut gewesen sein sollen.

Nach dem Vorfall seien die Kinder schockiert gewesen, sagen die Eltern. Einige verpassten sogar ihren Bus und mussten abgeholt werden. Völlig eingeschüchtert habe sich die 13-Jährige erst auf mehrfache Nachfrage am Donnerstgnachmittag ihrer Mutter geöffnet. Beim Kinderarzt wurde sie dann untersucht. Laut Attest habe die 13-Jährige dabei Druckschmerzen im Bauch gehabt und auch stundenlangen Blutgeschmack im Mund. Doch damit nicht genug. Die Schülerin hatte Angst, wieder zur Schule zu gehen, sagte ihre Mutter. Denn die Betreuerin sei nicht nur für die Arbeitsgruppe zuständig, sie sei auch bei der Essensausgabe eingesetzt.



Freigestellt und nicht mehr beschäftigt

Doch die Schüler treffen vorerst nicht mehr auf ihre mutmaßliche Peinigerin. Denn N. wurde umgehend von ihren Aufgaben entbunden. Völlig entsetzt und schwer betroffen zeigte sich Dr. Christian Stock, der stv. Diözesangeschäftsführer der Bamberger Malteser im Gespräch mit unserem Reporter. Es sei die tägliche Anforderung der Malteser, dem Auftrag gerecht zu werden, die Kinder bei Lehr – und Freizeitangeboten zu betreuen. Dabei stehe vor allen auch die „Sicherheit an Leib und Seele im Vordergrund“, was allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch in Schulungen vermittelt werde, sagt Stock. Er spricht von einer „höchstproblematischen Entgleisung“ der Betreuerin, weswegen sie auch bereits in den Pfingstferien beurlaubt bzw freigestellt wurde. Dabei sei unwesentlich, was sich vielleicht vorher zugetragen habe. 

Schulleiter Michael Danner zeigte sich ebenfalls schwer betroffen von dem Vorfall und traf sich bereits kurz nach dem Vorfall mit der Mutter der 13-Jährigen zum Gespräch. Schnell wurde auch das Schulamt involviert, wie Schulrätin Petra Rauh bestätigte. Handlungsbedarf bestehe hierbei aber nicht, da die beschuldigte Betreuerin nicht mehr bei den Maltesern beschäftigt sei. Das bestätigte auch Dr. Christian Stock auf Nachfrage unserer Zeitung am Montag. Nach der Freistellung habe man sich einvernehmlich von N. getrennt, sagt Stock. Ohnehin sei deren Vertrag kurz vor dem Ende gestanden. Eine Verlängerung stand nach den jüngsten Vorfällen nicht mehr zur Debatte.



Verfahren gegen Geldauflage eingestellt

Wegen der laufenden Ermittlungen wollten sich zunächst weder Schulamt noch Malteser weiter zu dem Vorfall äußern. Die Mutter der 13-Jährigen hatte Strafantrag gestellt. Bei der Polizei habe man ihr gesagt, dass auch Ermittlungen gegen die zweite Betreuerin in Frage kommen. Unter Umständen habe sich diese wegen Unterlassung strafbar gemacht. Harald Stadter von der Polizeiinspektion Bayreuth Stadt bestätigte auf Nachfrage entsprechende Ermittlungen, die aber offenbar nicht weiter verfolgt wurden.

Das Verfahren gegen Claudia N. wurde gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Über die Höhe wollte sich Martin Dippold, Leitender Oberstaatsanwalt in Bayreuth, nicht äußern. Wie unsere Redaktion erfahren konnte, soll es sich aber um einen hohen dreistelligen Betrag handeln, den N. an einen gemeinnützigen Verein entrichten musste. Rechtlich kann ein Prozess durch diese Art des Verfahrens abgekürzt werden. „Aus prozessökonomischen Gründen“, wie Dippold sagt. Meist dann, wenn die Schuld als gering eingestuft werde, sagt der Staatsanwalt. Man erspart damit aber auch den Schülern eine Aussage vor Gericht und die Beschuldigte gilt als nicht vorbestraft. Für die Mutter der 13-Jährigen ist das zu wenig. Sie hätte sich eine höhere Strafe erwartet und überlegt nun, ob sie eine Zivilklage mit Schmerzensgeldforderung einreicht.




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