Bad Berneck: Junger Landwirt (30) stirbt bei Arbeiten in Hackschnitzelanlage


BAD BERNECK. Zu einem tödlichen Unfall kam es am Freitagmorgen im Bad Bernecker Ortsteil Wasserknoden. Ein vermisster 30-jähriger Landwirt konnte nur noch tot geborgen werden.




Laut ersten Informationen ist am Donnestagabend die Heizung auf dem Anwesen ausgefallen. Der 30-Jährige sei daraufhin mit einer Strickleiter in die vier Meter hohe Vergaseranlage gestiegen. Als er am Freitagmorgen vermisst wurde, war schnell klar: Hier ist was schreckliches passiert. Kurz vor 7 Uhr entdeckten Einsatzkräfte den leblosen Mann in der Anlage. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Details können derzeit noch nicht genannt werden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei laufen noch.

Einsatzkräfte der Feuerwehr flexten den Schacht der Anlage seitlich auf  um an der 30-Jährigen heranzukommen. Der Feuerwehreinsatz dauerte den ganzen Vormittag an. Erst gegen 10.45 Uhr konnte die Leiche des jungen Mannes geborgen werden. Hinweise auf Fremdverschulden liegen nicht vor. Vielmehr ist derzeit von einer Kohlenmonoxid-Vergiftung auszugehen. Genau steht das aber noch nicht fest.



Über 600 Todesfälle

Jährlich sterben etwa 100 bis 150 Menschen deutschlandweit an Unfällen durch Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Weit höher liegen die Zahlen bei suizidalen Ereignissen. Zwar liegen für 2018 noch keine neuen Zahlen vor, aber im Jahr 2017 meldete das statistische Bundesamt insgesamt 606 Todesfälle durch Kohlenmonoxid. Darunter zwei Kleinkinder, 13 Jugendliche und 71 junge Erwachsene im Alter bis 35 Jahre. Die meisten Toten sind in der Altersklasse 45-60 Jahre zu verzeichnen. Hier waren es 2017 alleine schon 244 Betroffene.

Über die Lunge gelangt das farb- und geruchlose Kohlenmonoxid in den Blutkreislauf, wo es sich an Hämoglobin bindet, den roten Farbstoff der Blutkörperchen, und dadurch die Aufnahme von Sauerstoff behindert. Das Gehirn und andere Organe werden nicht mehr ausreichend versorgt, das Opfer erstickt. Wer zu viel von dem Gas eingeatmet hat, bekommt oft eine rosige Gesichtsfarbe, aber dann ist es häufig bereits zu spät.

Im Mai starb ein 17-Jähriger aus Geratshofen. Er wurde beim Befüllen der Hackschnitzelanlage mit den Füßen in der Förderschnecke eingeklemmt und erlag seinen schweren Verletzungen. Nicht selten sterben Landwirte auch beim Betreten von Güllegruben. Auch couragierte Ersthelfer, die aus Rettungszwecken hinterherspringen, verlieren dabei ihr Leben.



Im Kreis Passau starb vor zwei Jahren ein Ehepaar, bei einem ähnlichen Unglück. Dabei verlor ein 47-Jähriger beim Abstieg in den acht Meter tiefen Schacht seines Brunnens, vermutlich ebenfalls aufgrund von Sauerstoffmangel, das Bewusstsein. Er hatte versucht, die defekte Pumpe zu reparieren. Als ihm seine Frau in den Schacht zu Hilfe eilen wollte, wurde auch sie ohnmächtig, berichtet die Polizei. Das leblose Paar wurde am Abend auf dem Boden des Brunnens gefunden und konnte nur noch tot geborgen werden.

Ebenfalls 2017 kam es im Landkreis Cham zu einem tödlichen Unglück. Ein Landwirt aus Neukirchen wollte mit seinem Sohn im eigenen Wald einen knapp sieben Meter tiefen Brunnenschacht überprüfen. Der Sohn stieg mit einer Leiter in den Schacht hinab und wurde, vermutlich infolge von Sauerstoffmangel, ohnmächtig. Als er zu sich kam, lag sein Vater tot neben ihm, außerhalb des Brunnens. Ermittlungen ergaben, dass der Vater seinen Sohn gerettet hat und dann selbst erstickte.

Experten raten: Nichts riskieren; nicht ungeschützt der Gefahr aussetzen, bewusstlos zu werden. Hier sind Rettungskräfte mit Atemschutz gefragt.



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