Herzkrankes Kind stirbt auf Heimweg von Klinik: Mutter sucht den Ersthelfer


ERLANGEN/OBERESSFELD. Dramatische Szenen am Montagabend im unterfränkischen Oberessfeld. Eine junge Mutter kniet im Straßengraben, versucht ihr 16 Monate altes Baby zu reanimieren. Die Familie kam gerade aus einer Klinik in Erlangen. Für den kleinen Noah kam jede Hilfe zu spät. Nun sucht die Mutter nach einem Mann, der als couragierter Ersthelfer agierte und der Familie zur Seite stand. 




Der 18 Monate alte Noah ist herzkrank, es steht schlecht um ihn. Weil er körperlich für eine Operation bereits zu schwach ist, trifft sich die Familie mit den Ärzten am Montag zu einem ambulanten Gesprächstermin in der Klinik in Erlangen. Dort wurde der Mutter eröffnet, dass man Noah auf die Warteliste für ein Spenderherz gesetzt hat und nun darauf hoffen könne. Eine Oberärztin sagte noch, wie lebensfroh und fit der kleine Kämpfer sei. Doch offenbar wusste der junge Mann genau, wie es um ihn steht. Seine Mutter glaubt, dass er diesen Weg nicht mehr gehen wollte.

Wenige Stunden vor dem schrecklichen Ereignis auf dem Heimweg. Noah musste schon vieles erleben in seinem kurzen Leben. Foto: Privat



Auf dem Rückweg von Erlangen lachte Noah aber im Auto, wirkte fröhlich. Plötzlich habe er zweimal laut aufgeschrien, sagt Jennifer, die sofort ihr Auto in den Straßengraben lenkte und zu ihrem Kind stürmte. „Ich habe ihn aus dem Sitz gerissen“, sagt sie am Mittwoch in einem Interview mit Bayern-Reporter, weil es darum ging, einen Ersthelfer ausfindig zu machen. Noah rührte sich nun nicht mehr.

Ich hielt ihn in meinem Arm fest. Es war alles still, sein Kopf kippte nach hinten und mir war klar, ich verliere in diesem Minuten mein so sehr geliebtes Kind.

Die 21-Jährige schrie den kleinen Noah an, er solle seine Augen öffnen. Dann packte sie ihn in den Straßengraben und begann mit der Wiederbelebung. Noah`s Vater alarmierte den Rettungsdienst. Die eingetroffenen Sanitäter setzten die Reanimation umgehend im Fahrzeug fort. Die Eltern sahen regungslos zu, waren wie gelähmt. Kurz darauf kam der Notarzt und man schickte die Eltern aus dem Rettungswagen heraus. Weitere Rettungskräfte treffen ein, um sich bei der Reanimation abzuwechseln. Niemand will zu diesem Zeitpunkt aufgeben. Unter Reanimation wurde Noah in eine Klinik gebracht. Nach zwei endlosen Stunden stellten die Ärzte dort dann alle Maßnahmen ein. Noah hat den Kampf verloren.

In einem abgelegenem Arztzimmer überbrachte man der 21-Jährigen dann die schreckliche Nachricht. „Ich bin auf dem Boden zusammengebrochen, habe geschrien und gegen die Wände geschlagen. Ich wurde von vier Ärzten festgehalten, man hat versucht mich zu beruhigen“. Später durfte sie Noah sehen. Er lag auf einer Liege im Schockraum und schien friedlich zu schlafen. „Ich hab ihn sofort zu mir auf den Arm genommen. Das tat so unfassbar gut“, berichtet Jennifer.

Warum wir darüber berichten

Nach einigen Gesprächen mit Bestattern und Ärzten, hat man der Familie ermöglicht, dass Noah nochmal in seinem Kinderbett zu Hause schlafen darf. Seine Mutter hat ihn gewaschen, angezogen und in sein Bett gelegt. Eine Sternenfotografin machte Bilder zur Erinnerung. Dieser Abschied sei wichtig gewesen, sagt die 21-Jährige.

Ich habe so lange darüber nachgedacht, ob ich an die Öffentlichkeit gehe, aber ich sehe keinen anderen Weg“ (Jennifer Hahn)

Viele Menschen haben immer mitgefiebert und Noah sehr ins Herz geschlossen, sagt sie. Das sei der eine Grund gewesen, warum sie die traurige Geschichte ins Internet stellte. Doch es gibt einen weiteren. Die Familie ist auf der Suche nach einem Ersthelfer, der später plötzlich weg war. Aber er hatte Jennifer unterstützt und stand ihr zur Seite. Deswegen möchte sie ihn wiedersehen. Viel ist nicht über ihn bekannt. Deswegen die Suche im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung. Der unbekannte Mann hat auch immer wieder Noah`s Puls gefühlt. Später fuhr er das Auto der Jungen Mutter in eine Parkbucht.



Ersthelfer gesucht:

  • Autokennzeichen: HAS – xxxxxxx
  • Er trug eine Karte am Hosenbund, vermutlich Firmenzugangskarte
  • etwa Mitte/Ende 40 Jahre
  • Kam aus Richtung Oberessfeld gefahren

Lieber Ersthelfer, liebe Mitmenschen,
helft mit, einen Kontakt herzustellen. Wir sind 24 Stunden unter der Rufnummer 0175/8395346 zu erreichen.

 

Anmerkung der Redaktion: Über solche Vorfälle im privaten Bereich berichten wir sonst eher nicht, oder dann zumindest mit weniger Details. Aktuell tun wir das auf Wunsch der Mutter. Es ist ihr ein wichtiges Anliegen, diesen Mann zu finden. Und wir wollen deswegen die größtmögliche Aufmerksamkeit erreichen. Nicht nur die Mutter hat bei der Kontaktaufnahme mit der Redaktion geweint, auch unser Reporter konnte seine Emotionen nicht unterdrücken. Unsere Gedanken sind bei Noah und seiner Familie. Möge er dort, wo er jetzt ist, ein sorgenfreies Leben haben. Ruhe in Frieden, kleiner Kämpfer.





 



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Ein Gedanke zu „Herzkrankes Kind stirbt auf Heimweg von Klinik: Mutter sucht den Ersthelfer

  • 22. November 2019 um 11:01
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    Gibt es vielleicht mehr Angaben zum Auto ? Marke und Farbe ? Ist zwar schwer, in einer solchen Situation darauf zu achten, aber vielleicht kann sich jemand erinnern.. Mein Beileid und viel Kraft den Eltern

    Antwort

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