Kind verletzt: Mutter fuhr hinter dem Autodieb bei Trockau


A9/TROCKAU. Die Großfahndung nach einem flüchtigen Autodieb im Raum Trockau sorgte am Dienstag für Aufregung. Mit Hunden und einem Hubschrauber suchte die Polizei nach dem Täter und konnte ihn im Wald festnehmen. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist bei dem Unfall des Autodiebes auch ein kleines Kind verletzt worden.




Wie bereits berichtet, war der zunächst Unbekannte kurz nach 7.45 Uhr mit dem Mercedes Viano und polnischen Kennzeichen auf der A9 in Richtung Norden im Baustellenbereich unterwegs. Das Fahrzeug wurde zuvor in Murr (Baden Württemberg) gestohlen. Ebenso wie ein Mercedes Sprinter, von dem bislang aber jede Spur fehlt.

Eileen Leicht aus Trockau ist Pendlerin und fährt die Strecke nach Bayreuth jeden Tag. So auch am Dienstagmorgen, als die 26-Jährige mit ihrem fünf Jahre alten Sohn bei Trockau auf die Autobahn auffuhr. Sofort ist ihr der der polnische Van aufgefallen. „Er brauchte alle Fahrspuren, ist in Schlangenlinien unterwegs gewesen“, erinnert sich die junge Mutter. Sie hielt Abstand und überholte den verdächtigen Wagen nicht. „Ich hatte Angst, dass der einen Unfall baut“, sagt die 26-Jährige im Interview mit unserer Zeitung.

Plötzlich sei alles ganz schnell gegangen. Der Van kam ins Straucheln und schlidderte von der Mittelspur nach rechts in die Baustellenabsicherung. „Es flogen Trümmer durch die Luft“, sagt die Zeugin. Geistesgegenwärtig bremste die Frau, wich auf die linke Spur aus, wo zum Glück kein anderes Auto fuhr. Anschließend habe sie ihren Seat Ibiza auf dem Seitenstreifen zum Stehen gebracht. Sie beruhigte ihren Sohn, der sofort sagte, „Mama ruf den Krankenwagen“, und kümmerte sich um den verunfallten Autofahrer. Dieser war augenscheinlich nicht ansprechbar, wirkte benommen. „Er verdrehte die Augen so komisch“, sagt die 26-Jährige. Sie ging zurück zu ihrem Sohn und alarmierte die Rettungskräfte.



Kind nach Ausweichmanöver verletzt

Im Gespräch mit der Polizei stieg der Autofahrer plötzlich aus und schnappte sich seinen Rucksack. Ich hab dem Polizisten am Telefon noch gesagt, dass der Fahrer abhauen will. „Das hat man mir erst nicht geglaubt“, berichtet die junge Mutter. „Der Beamte meinte, dass der Unbekannte vielleicht mal hinter den Busch müsse“. Doch der Fahrer kam bekanntlich nicht mehr zurück.

Als die Polizei eintraf, konnte Eileen Leicht ihre Fahrt fortsetzen. Sie musste mit dem Vierjährigen zum Kinderarzt. Denn dieser klagte plötzlich über Beschwerden. Wie sich später herausstellte erlitt der Sohn der 26-Jährigen ein Schleudertrauma und einen Schock. Er musste beim Kinderarzt behandelt werden. Auch am Tag nach dem Unfall klagte der junge Mann noch über Kopf – und Nackenschmerzen. „Der Unfall hat ihn mitgenommen“, sagt Eileen Leicht. Lange Zeit habe er nicht einschlafen können und auch die Nacht sei sehr unruhig gewesen.



Am Tag nach dem Vorfall war Eileen (26) erleichtert. Ihrem Sohn ging es schon viel besser. Foto: Markus Roider

Großfahndung erfolgreich 

Während das Kind bereits medizinisch behandelt wurde, zog die Polizei alle Register, um den Flüchtigen zu finden. Schnell war klar: Falsche Kennzeichen und ein gestohlenes Fahrzeug. Weil Eileen Leicht eine gute Beschreibung abgeben und auch den Fluchtweg benennen konnte, war die Fahndung schnell erfolgreich. Mit Suchhunden aus Mittel -und Oberfranken, sowie starken Bodenkräften und einem Hubschrauber suchte man nach dem mutmaßlichen Autodieb. Gegen 9.30 Uhr konnten die Beamten den Tatverdächtigen in der Nähe des Geseeser Ortsteils Spänfleck aufspüren und vorläufig festnehmen. Bei dem Mann handelt es sich um einen 24 Jahre alten polnischen Staatsangehörigen.



Schnell hatten die Polizisten den Verdacht, dass der Mann unter Drogeneinfluss stand und leiteten entsprechende Maßnahmen ein. Der Tatverdächtige räumte außerdem ein, am Steuer eingeschlafen zu sein. Weitere Recherchen brachten ans Licht, dass er nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis ist. Nach den ersten Maßnahmen übergaben die Verkehrspolizisten den 24-Jährigen an die Beamten des Fachkommissariats der Kripo Bayreuth, die die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei Ludwigsburg fortführen.

Weiteres Fahrzeug auf der Flucht

Wie die zuständige Polizei in Ludwigsburg mitteilte, ist neben dem Viano auch noch ein Sprinter gestohlen worden. Der Mercedes Viano war unter einem Carport im Tannenweg in Murr abgestellt, der Mercedes Sprinter in der Hindenburgstraße auf einem öffentlichen Parkplatz. An dem grauen Viano befanden sich Ludwigsburger Kennzeichen (LB-), die vom Täter durch die polnischen Kennzeichen ersetzt wurden. Beim Sprinter handelt es sich um ein weißes Fahrzeug mit offenem Pritschenaufbau, an dem sich ebenfalls Ludwigsburger Kennzeichen befanden. Der Wert des Vianos dürfte sich auf etwa 10.000 Euro belaufen. Der Sprinter dürfte noch einen Wert von rund 25.000 Euro haben.

Wie Polizeisprecher Alexander Czech auf Nachfrage am Mittwoch mitteilte, wurde der Autodieb am Nachmittag nach Eröffnung des beantragten Haftbefehls in Untersuchungshaft genommen. Er befindet sich bereits in einer Justizvollzugsanstalt.






Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.