Betrieb eingestellt: Geseeser Dachdeckerfirma meldet Insolvenz an


BAYREUTH/GESEES. Seit 31.Oktober hat das Familenunternehmen Scholz Dachbau aus Gesees Insolvenz angemeldet. Die Firmenfahrzeuge sind abgemeldet, die Mitarbeiter gehen nicht mehr zur Arbeit. Der Mittelstandsbetrieb ist Pleite. 




Erneut steht ein traditioneller Handwerksbetrieb in der Region vor dem Aus. Wie das Insolvenzgericht in Bayreuth mitteilte, haben Krankenkassen und Geschäftsführung der Geseeser Dachdeckerfirma Scholz Insolvenz angemeldet (Aktenzeichen: IN 167/19). Der Betrieb hatte zuletzt noch neun von anfangs elf Mitarbeitern und zwei Geschäftsführer beschäftigt. Darunter eine Bürokauffrau, fünf Dachdeckergesellen, vier Flaschnergesellen und einen Helfer.

Geschäftsführerin Christa Scholz war am Dienstag für eine Presseanfrage nicht zu erreichen. Der Telefonanschluss wurde auf den Sohn umgeleitet, der angab, nicht mehr in der Firma zu arbeiten. Rechtsanwalt Jürgen Wittmann aus Kronach wurde zum Insolvenzverwalter bestellt. Bei ihm können sich die Gläubiger nun bis zum 29. November melden, um Insolvenzforderungen geltend zu machen. Wittmann ist laut Amtsgericht dazu berechtigt den Geschäftsbetrieb einzustellen oder nach freiem Ermessen zu veräußern.

Vor Ort ist nichts mehr zu sehen von einem Geschäftsbetrieb. Das Gelände ist verwaist, Fahrzeuge abgemeldet. „Eine Fortführung des Unternehmens im eröffneten Verfahren war nicht möglich, da auch jahreszeitbedingt keine Aufträge vorhanden waren, die eine Weiterbeschäftigung der neun Mitarbeiter im eröffneten Verfahren ermöglicht hätten. “, sagt Insolvenz-Verwalter Rechtsanwalt Jürgen Wittmann aus Kronach. Die Gespräche mit einem Investor, die im vorläufigen Verfahren geführt worden seien, hätten zu keinem Abschluss geführt.



Auf Fachkräfte gesetzt

Im Januar soll der Fall vor dem Bayreuther Amtsgericht verhandelt werden. Bis dahin habe der Betrieb noch Zeit, beispielsweise Vergleiche mit Gläubigern anzustreben. Ob dies finanziell machbar ist, bleibt fraglich. Denn zuletzt konnten nicht einmal mehr die AOK-Beiträge gezahlt werden, weswegen die Krankenkasse einen eigenen Insolvenzantrag gegen den Betrieb stellte.

Seit 2005 war der Betrieb Mitglied im fremdüberwachten „Qualitätsverbund umweltbewußter Handwerksbetriebe“ (QuH). Außerdem setzte man auf Fachkräfte und deren Weiterbildung, war Mitglied in der Dachdeckerinnung. Im Engagement um den kompletten Dachgeschossausbau war die Firma Scholz zuletzt noch intensiv mit Schulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen beschäftigt um sich im Qualitätsverbund „DachKomplett“ zu zertifizieren. Doch so sehr man sich bemühte, wurde das Unternehmen vom Kern heraus aufgefressen. Mit den Billiganbietern, die über die Dörfer ziehen, meist aus osteuropäischen Ländern, kann man als deutscher Handwerksmeister nicht mithalten.



Konjunktur in Oberfranken stabil

Eine Krise bestehe derzeit nicht im oberfränkischen Handwerk, teilte eine Sprecherin der Handwerkskammer auf Nachfrage mit. Seit Jahren sei die Zahl der bestehenden Handwerksbetriebe stabil. Ende 2018 verzeichnete man 16.206 Betriebe. Das seien unterm Strich 25 weniger als im Vorjahr, dafür sei die Zahl der Beschäftigten um 500 Mitarbeiter auf 76.500 angestiegen. Die Zahl der Auszubildenden stieg laut Konjunkturbericht um 27 auf 5.593 an.

Insgesamt bleibe die Handwerkskonjunktur hervorragend und zeige sich zunehmend als Stabilitätsanker der oberfränkischen Wirtschaft, sagt HWK Geschäftsführer Thomas Koller im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Fachkräftebedarf bei Bäckern und Metzgern sei allerdings weiterhin überdurchschnittlich hoch. Die Geschäftslage habe sich im Vergleich zum Vorquartal bzw. zum Vorjahr kaum verändert und sei laut Handwerkskammer damit nach wie vor sehr gut.



57 Prozent der von der Kammer befragten Unternehmen beurteilen ihre Lage als gut, 34 Prozent als befriedigend. Allerdings dämpfen die Erwartungen das Geschäftsklima: Drei Viertel (74 %) gehen zwar davon aus, dass ihre Geschäftslage in den kommenden Monaten gleich bleiben wird, allerdings rechnen auch 16 Prozent mit einer Verschlechterung.

Damit verringert sich der Index leicht von 118 Punkten auf 115 Punkte. Dennoch bewegt sich die Handwerkskonjunktur in Oberfranken weiterhin auf einem hervorragenden Niveau – auch wenn die Rekordwerte der letzten beiden Jahre nicht mehr erreicht werden. Die Betriebe profitieren weiterhin vom starken Binnenmarkt mit hohen Konsumausgaben. „Die Handwerkerinnen und Handwerker in Oberfranken bleiben gefragt“, sagt Koller.




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