Gefährlicher Schulweg lässt Behörde kalt: Mutter hat Angst vor dem Winter


BAD BERNECK, LKR BAYREUTH. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Eine junge Mutter kämpft gegen die Behörden, weil sie Angst hat, ihre kleine Tochter auf dem Weg zur Schule durch einen Wald zu schicken. Doch der Schulweg soll unbedenklich sein. So sagen es zumindest die Vorschriften. 




Sabrina Hullah (35) ist alleinerziehend und im Juli zusammen mit ihren zwei Töchtern nach Bad Berneck gezogen. Die Mädchen wurden in der Schule angemeldet und auch sonst lief alles glatt mit dem Umzug, sagt Hullah. Über die Schulbeförderung hat sie sich zu dem Zeitpunkt keine Gedanken gemacht. Doch genau das soll nun zum Problem werden. Die achtjährige Samantha besucht die 3. Klasse der Grundschule in Bad Berneck und ihr Schulweg ist nach Ansicht der Mutter mehr als beschwerlich und gefährlich. Ihre Schwester kann den Bus nehmen, denn die Elfjährige besucht die Realschule in Gefrees.

Zwar beträgt die Wegstrecke von Samantha nur etwas mehr als zwei Kilometer, aber diese führen laut Angaben der Mutter über schmale Gehwege, Straßenabschnitte ganz ohne Gehweg und sogar über einen dunklen abschüssigen Waldweg, der jetzt mit Laub bedeckt ist. Im Winter wird hier nicht geräumt, und die Gefahr des Abrutschens sei enorm. Aber auch sonst würde sie ein kleines Mädchen nicht gerne alleine durch den Wald schicken in der heutigen Zeit. Sabrina Hullah hat Angst und fühlt sich von den Ämtern im Stich gelassen. Denn Gemeinde und Landratsamt stufen den Schulweg als ungefährlich und damit als zumutbar ein.



Vorschriften gegen Mutterherz

In einem Schreiben des Landratsamtes heißt es, dass man die Auffassung der Gemeinde teile. Diese hatte einen Antrag auf Schulbeförderung abgelehnt und das Landratsamt muss nun über den Einspruch der Mutter entscheiden. Entsprechend der Rechtslage sei man davon überzeugt, dass der Schulweg zumutbar sei. So wollen es die Vorschriften. Denn ein Anspruch auf Beförderung bestehe zwar ab zwei Kilometern Fußweg, aber es würde eine Möglichkeit geben, das Schulgelände über den Buchwaldweg und an der Klang zu betreten. Dann wären es nur rund 1,5 Kilometer, so die Auffassung der Behörde. Es gelte stets der Punkt, wo das Schulgrundstück am nächsten erreicht werden kann.

Auch nach Auffassung der Polizei ist der Weg zumutbar. Hauptkommissar Thomas Linke, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Bayreuth Land, kennt den Weg, wie er sagt. Und dieser sei entsprechend der behördlichen Definition nicht beschwerlich. Zwar sei ein Teilbereich am Bärnreuther Weg tatsächlich etwas steiler, aber der kurze Weg dort reiche eben nicht aus, den Schulweg im Ganzen als beschwerlich anzusehen.

Seitens der Stadt Bad Berneck besteht nur dann eine Beförderungspflicht, wenn die Wegstrecke bis zur Schule über zwei Kilometer beträgt. Nach unserer vorläufigen Prüfung, bei der nicht die Wanderstrecke durch den Wald, sondern u.a. die Strecke entlang des Bärnreuther Weges herangezogen wurde, ist dies nicht gegeben. (Landratsamt Bayreuth)



Weil der Schulbus ohnehin am Grundstück der Eltern vorbeifahre, war die Bitte der Mutter, dass der Bus hier kurz stoppen könnte. Aber das sei nicht möglich, teilte das Landratsamt auf Anfrage Redaktion mit. Die 35-jährige Mutter ist berufstätig, deshalb kann sie ihre Tochter auch nicht selbst zur Schule bringen.

Sabrina sei „keine Helikopter-Mutter“, wie sie sagt. Sie habe früher selbst laufen müssen. Aber die Zeiten hätten sich geändert, sagt sie. „Die Schulsachen werden immer schwerer und auch die Gefahr durch Dritte ist hoch“. Sie habe Angst, ihr Kind morgens um sieben Uhr auf diesen Weg zu schicken. Das Schlimmste für die alleinerziehende Mutter: Sie fühlt sich vom Landratsamt unter Druck gesetzt. Denn wenn sie bis 4. November ihren Einspruch nicht zurückzieht, wird man „kostenpflichtig und nach Aktenlage“ entscheiden.  Das entsprechende Schriftstück liegt unserer Redaktion vor. Das Landratsamt betont aber, dass es sich hierbei lediglich um einen Hinweis zur Rechtsauffassung  handelt. Dies sei Kostengründen im Rahmen eines fairen Verfahrens der übliche Verfahrensgang. Selbstverständlich könne die Mutter im Rahmen der Frist noch weitere, im Verfahren zu berücksichtigende Argumente vortragen, heißt es in einer Erklärung vom Freitag.





Ein Gedanke zu „Gefährlicher Schulweg lässt Behörde kalt: Mutter hat Angst vor dem Winter

  • 26. Oktober 2019 um 10:29
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    Ich kenne das leider mein Sohn 13 steht genau 1m von der B303 weg! Oftmals steigt er auf der anderen Seite aus und muss über die 303 drüber laufen!

    Meine Tochter kommt nächstes Jahr in die Schule ich haben jetzz schon panische Angst davor!

    Der weg von der kleinen Samata ist genauso gefährlich und alle schauen weg!

    Finde das unverantwortlich! Meine Tochter würde diesen Weg nicht einmal laufen da hätte sie selbst Angst und ich ebenfalls!

    Diese Mama hat meine volle Unterstützung! Denn leider geht es heut zu Tage nicht mehr auf den freundlichen weg!

    Viel Glück das sich bei euch wenigstens etwas ändert!

    Ach zum Schluss kein Wunder das viele Bad Berneck verlassen, da die Sicherheit auch schon leidet und nicht nur die Gedanken über die Stadt!

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