Wasserwacht muss Noteinsatz abbrechen: Wildparker sorgen für Unfall und Behinderung


REGENSTAUF. Aufregung vor dem Valentinsbad in Regenstauf. Am Sonntag ist hier eine Schwimmerin in eine Schiffsschraube geraten und musste gerettet werden. Noteinsatz für die Wasserwacht, doch die muss ihre Anfahrt wegen Wildparkern und ignoranten Verkehrsteilnehmern abbrechen. Am Ende rauchten nicht nur die Köpfe, sondern sogar ein Rad am Bootsanhänger.




Ein absoluter Notfall, die Wasserwacht rückt mit Rettungsschwimmern und einem Boot an. Mit Sondersignal und Blaulicht auf dem Dach. Doch das juckt kaum jemanden. Während des Wachdienstes haben sich zunächst vier Fahrzeuge direkt vor das Einsatzfahrzeug gestellt. Es musste rangiert und gewendet werden, viel Zeit geht verloren. Als das Gespann endlich frei war, betätigte der Fahrer erneut seine Sonderrecht, um weitere einfahrende Badegäste zu warnen.

Doch wie die Wasserwacht berichtet, wurde das komplett ignoriert. „Wir mussten sogar ausweichen und krachten dabei in eines der Falschparker-Fahrzeuge in der Feuerwehrzufahrt“, sagte Wasserwacht-Vorstand Marco Kammermeier gegenüber Bayern-Reporter. Völlig dreist war dann die Aussage eines Autofahrers. “ Wo hätte ich mich denn sonst hinstellen sollen, ist doch nicht so schlimm“, habe er den Rettern zugerufen. Den Einsatzkräften verschlug es die Sprache. Schnell wurde der Schaden an die Leitstelle durchgefunkt.



Anhänger beginnt zu qualmen

Weil keine Personen verletzt wurden, machten sich die Retter nun auf den Weg zu der Verletzten. Doch nach einigen Metern war schon wieder Schluss. Am Bootstrailer begann ein Reifen an zu qualmen. Als das Einsatzgespann dann stoppte, platze der Reifen sogar. „Dies ist auf den vorangegangenen Unfall zurückzuführen“, sagt Kammermeier. Nun wurde auch die Polizei gerufen. Die am Unterschenkel verletzte Schwimmerin wurde von einer Rettungswagenbesatzung gerettet und betreut.

Foto: Wasserwacht



Ein Höhepunkt der Zwischenfälle

Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer beim Bayerischen Roten Kreuz, dem Träger der Wasserwacht, zeigt sich entsetzt. Er sieht in dem Fall von Regenstauf eine Steigerung der Verrohung. Denn einen vergleichbaren Fall kennt er nicht. Das sei schon „ein trauriger Höhepunkt“. Zugeparkte Rettungswege, fehlende Rettungsgassen und Gemotze, das stünde an der Tagesordnung, so Stärk. Aber was sich da am Sonntag abspielte, sieht er als groben Vorsatz und fordert ein Bußgeld. „Besonders für den Fahrer, der das Einsatzhorn vorsätzlich ignorierte“.

Auf den Facebook-Zug will er nicht aufspringen, wie er sagt. Viele Nutzer haben geschrieben, man solle solchen Menschen die Hilfe im Notfall verweigern. „Sowas geht nicht“, sagt Stärk. „Wir helfen jedem, auch diesen Menschen“. Seine Verärgerung ist dem BRK-Chef anzusehen. Besonders weil gerade diese ehrenamtlichen Retter „einen großen Dienst leisten“. Sie rücken auch bei 40 Grad im Sommer aus und setzen ihr eigenes Leben aufs Spiel.



Schuldverteilung anders als sonst 

Stärk sieht auch nicht ein, dass jetzt die Haftpflichtversicherung des BRK greifen soll. Schließlich habe man sich im Noteinsatz befunden und wurde behindert. „Die Kollegen haben ja nicht vorsätzlich gehandelt, sie mussten reagieren und ausweichen“, sagt Stärk. Der Wildparker wäre auch nicht beschädigt worden, wenn er ordnungsgemäß geparkt hätte. Bislang gebe es keine Forderungen gegen das BRK. Diesen sehe man aber auch gelassen entgegen. Laut Einschätzung von Leonhard Stärk, bleibt der Fahrer wohl auf seinen Kosten sitzen. Erfahrungsgemäß neige sich die Schuldverteilung in diesen Fällen immer deutlicher zu Lasten der Verkehrsteilnehmer, die Einsatzfahrzeuge übersehen oder wie in diesem Fall sogar ignorieren. Zumindest so lange, wie man dem Einsatzfahrer nichts vorwerfen könne.

Und die Wasserretter von Regenstauf haben alles getan, was sie konnten. Sie wollen künftig aber nichts mehr dem Zufall überlassen. „Wir werden in Zukunft rigoros jedes KFZ bei der Polizei melden und abschleppen lassen, das unsere Zufahrt blockiert“, sagt Wasserwacht-Vorstand Marco Kammermeier. Die Ignoranz und der Egoismus einiger Menschen sei „einfach nur traurig und frustrierend“.



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