Pegnitz: Baustellenblitzer zeigt Wirkung


A9/PEGNITZ. Weniger Geschwindigkeitsverstöße und weniger Unfälle. Das Konzept geht auf. Die Bayreuther Verkehrspolizei überwacht derzeit verstärkt die Geschwindigkeiten von Fahrzeugführern auf der A9 zwischen Pegnitz und Trockau. Grund dafür sei die Fahrbahnverengung im Baustellenbereich Richtung Berlin. 


Als unser Reporter am Mittwoch die Messstelle bei Körbeldorf besuchte, blitzte es im Minutentakt. Zumindest am Vormittag, denn kurz darauf ist ausgerechnet vor der Radaranlage ein Lastwagen liegen geblieben, der mit heißem Asphalt auf dem Weg zur Baustelle bei Trockau war. Als dann auch noch einer seiner Kollegen solidarisch stoppte um Hilfe anzubieten, blieb die Blitzanlage dunkel. Durch Warnleuchten und Blinklicht abgesichert, wurde dem Beamten der Verkehrspolizei schnell langweilig.

Von Lastern umzingelt. Die Radaranlage auf der A9 am Mittwoch. Foto: Markus Roider

Sauer war von der Polizei aber niemand. Im Gegenteil. „Genau das wollen wir erreichen“, sagt Harald Grzonka von der Bayreuther Verkehrspolizei. Denn die Beamten haben nur ein Ziel: Ein Senkung der Verkehrsunfallstatistik. Und dass es zwischen Pegnitz und Bayreuth regelmäßig „kracht“, zeigen unsere vielen Einsatzberichte. Besonders betroffen seien laut Grzonka immer die Bereiche, wo der ohnehin stark aufkommende Verkehr auch noch in der in der Fahrspurenzahl reduziert werde. Zwischen Pegnitz und Trockau fehle eine ganze Fahrspur, das bringe immer Gefährdungspotential mit, sagt der erfahrene Beamte. Allerdings sei die Fahrbahnbreite noch so groß, dass es bislang zu keinen schweren Unfällen gekommen sei. Sicherlich aber auch ein Verdienst der ständigen Verkehrsüberwachung.

Jeder Zehnte noch zu schnell

Generell würde diese Baustelle bei Pegnitz weniger Probleme bereiten, als die bei Himmelkron, bekräftigt Grzonka. Auch wenn die Zweierlösung auf der Lanzendorfer Talbrücke viel Entlastung brachte, kommt es dort im direkten Vergleich zu wesentlich mehr Unfällen. Bei Pegnitz registriert die Polizei dafür weniger Baustellenraser als zu Beginn der Messungen. Die Baustelle wird wegen möglicher Stauungen bereits drei Kilometer vorher angekündigt und die Geschwindigkeit ist auf 120, dann auf 100 und kurz vor der Baustelle auf 80 km/h beschränkt.

In diesem letzten und unfallträchtigsten Bereich, führte die Verkehrspolizei Bayreuth am Mittwoch eine insgesamt zehnstündige Geschwindigkeitskontrolle in Richtung Berlin durch. Hierbei wurden über 13.000 Fahrzeuge gemessen. Tatsächlich waren über 626 Autofahrer so schnell, dass ihnen ein Verwarnungsgeld nachgesandt wird, 752 Kraftfahrer werden einen teuren Bußgeldbescheid mit Punkten erhalten.

Der Spitzenreiter, ein 53-Jähriger aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin fuhr mit seinem VW T-Roc statt der erlaubten 80 mit 154 Stundenkilometer durch die Baustelle. Ihn erwartet nun ein Bußgeld von 440 Euro, zwei Punkte in Flensburg und zwei Monate Fahrverbot.

Einspruch kann teuer werden

Einige Autofahrer werden auch diesmal auf den Widerspruch setzen. Doch wenn es dann zum Gerichtsverfahren kommt, wird es auch schnell ernüchternd. Denn die Messgeräte sind, egal ob fest installiert oder im mobilen Einsatz, in den vergangenen Jahren immer exakter geworden. Das sagt auch Harald Grzonka von der Bayreuther Verkehrspolizei. Seit 13 Jahren ist er Leiter für zentrale Verkehrsaufgaben und damit für fast alle Blitzer in der Region zuständig. Er spricht zudem von hervorragend ausgebildeten Messbeamten, die auch regelmäßig Fortbildungen erhalten. Doch leider müssen sie auch oft als Zeugen vor Gericht aussagen. Da ist ein Beamter teilweise den ganzen Tag gebunden

Grund dafür sei die hohe Frequenz an Widersprüchen zum Bußgeldbescheid. Aufgestachelt von ganzen Anwaltsketten, die sich auf Verkehrsrecht spezialisiert haben wollen. Die Erfolgschancen sind schlecht, weiß Grzonka. Nicht nur wegen der guten Ausrüstung und den geschulten Polizisten. Relativ oft ziehen die Betroffenen noch in der Gerichtsverhandlung ihren Einspruch zurück und tragen dann auch die Kosten des Verfahrens.

Dem Rechtsanwalt dürfte das egal sein, denn das Honorar fließt unabhängig vom Urteil. Wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat berichtet, gehe es weniger um den Sachverhalt, sondern um konstatierte formale Unzulänglichkeiten. Manche Anwälte würden versuchen, mit möglichen Quellen für Fehlmessungen aus der Fachliteratur zu punkten, selbst wenn der inhaltliche Bezug teilweise arg konstruiert wirkt. Ziel ist es dann, das Verfahren in die Länge zu ziehen, also zu verteuern.

Gerichte sind überlastet

Insgesamt sind die Aussichten für den Autofahrer „äußerst gering“, sagt Detlev Lipphard, Leiter des Referates Verkehrstechnik beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Behördenpersonal und Gerichte seien gewappnet. Häufig werden irreale Erwartungen geweckt. Hinterher könne der Anwalt behaupten, er habe alle Register gezogen. Und der Beschuldigte wird sich ebenfalls damit trösten wollen, nichts unversucht gelassen zu haben. Seitens des Autofahrers fehle laut Lipphard oft ein Unrechtsbewusstsein, „zumindest nach außen“, wie er sagt. Stattdessen werden alle Möglichkeiten zu nutzen versucht, doch noch heil aus der Sache herauszukommen.

Die Anwälte werden in jedem Fall einen beträchtlichen finanziellen Nutzen ziehen, während der Staat, also die Allgemeinheit, im Sinne von Recht und Gesetz einen enorm hohen Aufwand betreiben muss. So tragen Gerichtsverfahren wegen Einsprüchen gegen Bußgelder und Fahrverbote infolge Raserei beträchtlich zur Überlastung der Gerichte und langer Prozessdauer bei.

 

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