„Fette Wählergruppe“: rbb-Fernsehen macht sich über kranke Frauen und Minister lustig


BERLIN. Skandal, Satire oder einfach nur feschmacklos? Während der Lipödem-Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn bei vielen Menschen, sogar parteiübergreifend begrüßt wird, machte sich der Fernsehsender rbb am Donnerstag darüber lustig und brachte Millionen Frauen auf die Palme. 




Jens Spahn hatte schon viele Aussagen gemacht, die in den Medien zerpflückt wurden. Nicht immer waren die Ideen zielführend oder sichtbar sinnvoll. Bei seinem letzten Vorstoß, Lipödem-Erkrankten helfen zu wollen, waren die Reaktionen weitgehend positiv. Diverse Medien, die sich mit dem Thema nicht auseinandersetzten, sprangen allerdings auf einen Zug auf, der so nicht fahrbar war. Denn es war die Rede von Übergewichtigen, deren Fett auf Kassenkosten abgesaugt werden sollte. Dass Lipödem eine schwere Krankheit ist, unter der fast vier Millionen Frauen leiden, kam nur selten zur medialen Ansprache. Wir hatten bereits mehrfach darüber berichtet. Nun setzte das Regionalfernsehen rbb noch einen drauf.

In einem Video wird der Vorstoß des Ministers ins Lächerliche gezogen. Spahn wüsse „wie man sein Fett wegkriegt“ und wie man das Jahr „mit einem kalorierenhaltigen Thema“ beginnt. Er soll das Wort „Fett“ im Internet „gegugelt“ haben, weshalb er auf den Satz gestoßen sei: „Bis zu 3 Millionen Frauen leiden täglich unter krankhaften Fettverteilungsstörungen“. Dabei sei ihm die Idee gekommen, Fettabsaugungen zur Kassenleistung zu machen.



„Fettabsaugung“: Minister Spahn will Lipödem-Behandlung zur Kassenleistung machen

 

Wie der Minister auf das Thema gekommen ist, und warum es so wichtig ist, darüber hatten wir berichtet (siehe Linksammlung). Der rbb spricht von einer „richtig fetten Wählergruppe“ und dass Spahn seine „Lieblingszeitung“ informiert habe.

Politisch lief Jens Spahns Jahresende ja nicht so dolle, aber neues Jahr, neues Glück! Seine neuester Einfall: Krankenkassen sollen fürs Fettabsaugen bezahlen. (Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb)



„Ein richtig dickes Ding“, findet der rbb. Dass man sich über Frauen lustig macht, die starken Schmerzen ausgesetzt sind und ohnehin bereits zum Teil am Rand der Depression stehen, interessiert den Sender offenbar nicht. Hier wird weiterhin Salz in eine Wunde gestreut. Lipödem hat bereits zu Todesfällen geführt, auch zu Suizidversuchen. Der Bundespresserat spricht sich gegen derartige Berichterstattung aus. Aus Angst vor Nachahmern, wird beispielsweise nicht über Suizid berichtet. Der rbb provoziert aber offenbar genau so etwas.

Screenshot rbb Mediathek

Das Video wurde vom Urheber entfernt.


Silke Launert entsetzt

Laut dem Clip sollen Krankenkassen per Minstererlass für das „Fettabsaugen“ bezahlen. Über die ernsten Hintergründe wird nicht berichtet. Im Internet machte sich bereits Ärger breit, auch von Anzeigen wegen Beleidigung ist die Rede. Silke Launert, Mitglied des Bundestags und Bezirksvorsitzende der Frauen-Union Oberfranken, zeigte sich angesichts des Videos entsetzt. Es sei eine wirkliche Abwertung. „Eine Lächerlichmachung aller Frauen, die unter der Störung leiden“, sagte Launert im R24-Gespräch. Den Verantwortlichen sei es wichtiger, Jens Spahn zu schaden und ihn lächerlich zu machen, als sich wirklich mit der Krankheit zu befassen.

Gegen das Vorhaben des Ministers habe sie nichts. „Wenn das vermehrte Fett die Folge einer Erkrankung ist, muss man die Symptome auch beseitigen dürfen. Es geht dabei ja nicht um kosmetische Fettabsaugungen“, sagt Launert. Der rbb Sender, der siebenfach für den Grimme-Preis 2019 nominiert ist, war am Freitag nicht mehr für eine Stellungnahme erreichbar.



Schnelle Infos über Push und Telegramm wieder aktiv



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.