Das perverse und pädophile Doppelleben des Bayreuther Partyfotografen


BAYREUTH / BERLIN. Wie bereits mehrfach berichtet, steht seit Montag der heute 46-jährige Stefan K vor Gericht. Er führte ein pädophiles Doppelleben, täuschte Justiz, Therapeuten und die Mutter seines jüngsten Opfers. Seine damals beste Freundin. Immer wieder geht es in seinem Leben um Fotos, Sex und Geld. Sein Drang zu Kindern bringt ihn nun wohl in die Sicherheitsverwahrung.




Man könnte schon fasst sagen, es war wie immer. Stefan K. (46) begeht Straftaten, gesteht sie und seine Eltern bieten dann eine Entschädigungszahlung an. So war es bereits in mehreren Fällen. Auch beim sexuellen Missbrauch der sechsjährigen Jessica (Name geändert) gestand er nun vier abscheuliche Taten. Es können auch weitere Fälle gewesen sein, doch das kann ihm nicht nachgewiesen werden. Der Mutter von Jessica hat er nun 1.000 Euro „Wiedergutmachung“ angeboten.

Prozessauftakt brachte weitere Details ans Licht

Sein Gesicht verbarg er unter der Kapuze seiner Regenjacke vor den Fotografen. Der stämmige Mann, gelernter Buchhalter aus Berlin, stand nicht zum ersten Mal vor Gericht. Untreue in elf Fällen, jeweils ein einfacher und ein schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und mehrfacher Besitz kinderpornografischer Fotos. Mindestens 79 Fälle sind hier bislang bekannt.

Der Fotograf hatte ein 12-jähriges Mädchen in München im Olympiapark missbraucht. Er hatte sich früher im Internet als Jugendlicher ausgegeben, hatte in seinem Kleiderschrank Teddybären, Kleinkinder- und Damenunterwäsche. Auch Liebesbriefe von Kindern wurden gefunden. Die Fotos, die er im Internet gesammelt hatte, zeigten laut damaligem Urteil „übelste Sexualpraktiken“ mit Kindern, teils weit unter zehn Jahren, die „übelst gequält wurden“. Auch in Kleinkind mit Nuckelflasche war zu sehen. Teilweise wurden die Kinder mit gespreizten Beinen fotografiert, auch zum Oralsex gezwungen.



Bewährungshelfer und beste Freundin belogen

Das alles verschwieg er seiner Bekannten. Und er verschwieg noch mehr: Dass er mehr als drei Jahre bekommen hatte, dass er im Gefängnis eine Therapie gemacht hatte, dass er früher rauskam und unter Bewährung stand und dass er striktes Verbot hatte, sich allein mit Minderjährigen in einem Raum aufzuhalten oder an stillen Plätzen. Ausgesprochen wegen eines Vergehens, für das ihn der gleiche Richter 2005 verurteilt hatte, vor dem er jetzt erneut stand: Michael Eckstein.

Trotz seiner Vorgeschichte erschlich er sich 2008 das Vertrauen der heute 31 Jahre alten Frau aus dem Landkreis Kulmbach über ein Internet-Portal. Angeblich wollte er eine fotografische Schwangerschafts-Studie über sie machen. Sie besuchte ihn sogar im Gefängnis in Berlin, wo er ihr sagte, nur wegen Untreue gelandet zu sein. Vorgelegte Urteile belegten das, die Sexurteile verheimlichte er.



Machte er auch Fotos von seinem Opfer?

Später besuchte er die Frau immer wieder, genoss deren Vertrauen und so konnte er dann auch auf ihre sechsjährige Tochter „aufpassen“, die älteste von drei Kindern. Sogar an ihrem Einschulungstag missbrauchte er das Kind. Insgesamt sind vier Fälle angeklagt. Zwar war er öfter zu Besuch, doch mehr kann man ihm nicht nachweisen. Mit hängenden Schultern, den Blick nach unten gerichtet, die Stimme leise, sagte er: „Das stimmt leider.“

Außerdem fanden die Ermittler auf seinem Handy zwei kinderpornografische Fotos. Ob das die missbrauchte Jessica ist, wollte der Richter wissen. Nach langem „herumdrucksen“, brachte ihn sein Anwalt zum Schweigen. Im Saal war den Beteiligten eigentlich alles klar. Die Mutter fand jedoch keine Ruhe, wollte die Bilder sehen. Diese scheinen jedoch so heftig zu sein, dass der Richter geraten hatte, davon abzusehen.



Zum Motiv schwieg der Angeklagte

Warum, fragte Richter Eckstein, der Rückfall „in dieser fast schon affenartigen Geschwindigkeit“ gekommen sei? Aber er wollte nichts zu den Gründen sagen, was ihn dazu trieb, kurz nach seiner Haftentlassung und seiner Therapie so schnell wieder rückfällig zu werden. Auch dem Gutachter gegenüber hatte er geschwiegen. Er wird sein Gutachten nach bloßer Aktenlage erstellen müssen. Der 46-Jährige verweigerte eine Untersuchung.

Wenn K. bei der Familie zu Besuch war, schlief er auch in der Wohnung. Als die Kleine nicht schlafen konnte, kam sie zu K. ins Bett. Die Sechsjährige kannte ihn seit seiner Geburt, er war quasi wie ein Onkel. Dann folgen Details zu den perversen Taten. Ein Gewitter tobte über dem kleinen Ort im Landkreis Kulmbach. „Weil sie Angst hatte“, kam sie angeblich zum „Onkel“ ins Bett, sagte er. Und?, fragte der Richter. „Erstmal hat sie bei mir geschlafen.“ Der Richter wartet. „Und ich habe sie an Bauch und Rücken gestreichelt.“ Und? Dann beschreibt er Details seines Missbrauchs, der sich über mehr als eine halbe Stunde hinzieht. Dass sie es der Mama nicht sagen soll, „hab ich erwähnt“.

Noch drei Mal musste das Kind länger als eine halbe Stunde leiden – und schwieg. Ob es ok für sie sei, hat der Angeklagte gefragt. Er senkt seinen Kopf tief auf seine Brust. Sie habe angeblich zugestimmt. Nach dem dritten Missbrauch ist er als Freund der Familie bei der Einschulung des Kindes dabei. Sogar Sachen für ihre Schultüte hatte er gekauft. In der Nacht missbrauchte er sie wieder. „Ihr muss was gefehlt haben, sonst hätte sie das nicht mitgemacht“, argumentierte der Mann noch nach dem Bekanntwerden der Taten im Oktober 2015.



Festnahme in Berlin

Die Mutter, schwanger mit ihrem vierten Kind, wendet den Blick ab, als der Angeklagte die Einzelheiten erzählte. Ihre sechsjährige Tochter hatte ihr und ihrem neuen Lebensgefährten die Vorfälle anvertraut. „Ich musste aus dem Zimmer gehen,“ sagt sie, sie habe es nicht ertragen. Sie fuhr mit dem neuen Mann nach Berlin und konfrontierte den 45-Jährigen mit den Vorwürfen. Sein Geständnis hatte das Paar auf Band. Kurz darauf wurde er an seinem Arbeitsplatz in Berlin verhaftet.

Das Kind macht zurzeit eine Therapie. Noch immer wacht sie nachts schreiend auf. Nach Informationen des Kuriers hat der Angeklagte der Familie als Entschädigung 1000 Euro angeboten. Er war als Partyfotograf in der Szene der Region unterwegs. Um seine schlechte Finanzlage aufzubessern, habe er „Model-Aufträge“ aufgeführt. Die Mädchen seien „überwiegend volljährig“ gewesen, sagt er. Es waren aber auch Minderjährige dabei, Mädchen also, die er gar nicht hätte fotografieren dürfen. Und mit denen er gar nicht hätte allein sein dürfen.



Der neue Lebensgefährte, selbst Journalist, recherchierte und fand zahreiche junge Frauen, die ebenfalls von dem 46-Jährigen fotografiert wurden. Doch diese Verstöße gegen die Führungsaufsicht – sie fallen nicht ins Gewicht und werden daher auch nicht weiter verfolgt. Für den Angeklagten geht es um die Sicherungsverwahrung.

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Bayreuther Partyfotograf: Sieben Jahre Haft mit Sicherungsverwahrung

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