So funktioniert die Corona-Teststation in Pegnitz


PEGNITZ/BAYREUTH. Um dem Bedarf gerecht zu werden, richtet das Landratsamt Bayreuth Teststationen für Corona-Verdachtspersonen ein. An der Staatlichen Berufsschule für Gastronomie in Pegnitz und an der Bayreuther Oberfrankenhalle soll jeweils eine Corona-Teststation eingerichtet und ab kommender Woche in Betrieb gehen.  Pegnitz ist ab dem 30. März 2020 jeweils von Montag bis Freitag von 13 bis 16 Uhr besetzt. Wir haben den Aufbau begleitet.




Die Behörden setzen auf „Teststationen“ als alternatives Angebot, damit die Frequenz der Testungen erhöht werden kann und eine Ansteckungsgefahr in den Praxen der Hausärzte insbesondere für „Risiko-Patienten“ so klein wie möglich gehalten wird. „Jede Kreisverwaltungsbehörde ist angehalten, so eine zentrale Teststelle zu errichten“, sagt Dr. Iris Fuchs, vom Landratsamt Bayreuth. Die Amts-Veterinärin ist Spezialistin auf dem Seuchengebiet und übernahm zusammen mit Kreisbrandinspektor Stefan Steger die Projektleitung für die Station in Pegnitz.

Steger ist zeitgleich der Hausmeister in der staatlichen Berufsschule an der Pfarrer-Dr.-Vogl-Straße. Das Areal gehört dem Landkreis und auch der Bauhof hat dort Fahrzeuge und Material eingelagert. Gerade deswegen hat man sich offenbar für diesen Standort entschieden. Im Gespräch sei auch das ehemalige PEP-Gelände gewesen. Das befindet sich in städtischer Hand, was bei der Zuteilung allerdings kein Problem gewesen wäre. Dort würde es jedoch insbesondere an funktionierenden sanitären Anlagen scheitern, die aber gerade für die Helfer der Teststation sehr wichtig sind.



Das THW beim Aufbau am Freitag. Foto: Roider



Mammutaufgabe für Projektleitung

Seit Donnerstagabend stand erst fest, wo in Pegnitz getestet wird. Dabei haben sich dann vor allem KBI Stefan Steger und Dr. Iris Fuchs als hervorragende Krisenmanager und Projektleiter profiliert. In wenigen Stunden stand ein Konzept und es konnten weitere Partner für Aufbau, Abwicklung und Logistik akquiriert werden. Die Errichtung der Teststation sei eine Zusammenarbeit von Stadt Pegnitz, Landkreis Bayreuth, THW, BRK, Feuerwehr, KVB und den Vertragsärzten. Hinzu kommen noch zahlreiche Helfer im Hintergrund. Fuchs ist von der Notwendigkeit und dem System dazu überzeugt, wie sie sagt. Eine höhere Testreichweite sei enorm wichtig. Damit man aber auch mit der Auswertung hinterherkommt, seien jetzt auch Lebensmittellabore und sogar tiermedizinische Einrichtungen mit der Analyse vertraut.

Um auf alles vorbereitet zu sein, haben sich Fuchs und Steger am Donnerstag bereits die Teststelle in Hof angesehen. „Wertvolle Ratschläge eingeholt“, sagt Fuchs. Sie bedankte sich aber vor allem auch bei Stefan Steger. Er brachte den Stein ins Rollen, dass die Örtlichkeit genutzt werden kann; kümmerte sich aber auch um die Logistik und Materialbeschaffung. „Das war mir eine große Hilfe“, sagt Fuchs. Der Kreisbrandinspektor habe auch als Vermittler viele Kontakte herstellen können. Sei es das große Zelt für den Testbereich oder die Bauzäune, die von einer örtlichen Baufirma kurzfristig gestellt wurden. Seit Freitagvormittag sind Arbeiter des Landkreisbauhofs mit dem Aufbau beschäftigt. Später kam auch das THW dazu. Viel geschlafen haben Fuchs und ihre Kollegen nicht, wie sie berichtet. Jede Minute wird investiert. „Wir gehen langsam alle auf dem Zahnfleisch“, sagt Fuchs. Dennoch hält man solidarisch zusammen.



Testung nur nach Einbestellung

Am Freitagabend war dann zumindest der Streckenaufbau geschafft. Über die Beethovenstraße soll eine Durchfahrtsstraße errichtet werden, wo dann Verdachtspersonen, die von einem Arzt aufgefordert wurden, durchgeschleust und im Fahrzeug getestet werden können. Dafür haben die Organisatoren vor der alten Rettungswache einen ersten Checkpoint erstellt. Denn nicht jeder, der getestet werden will, darf die Teststraße passieren. „Das geht nur über Voranmeldung“, sagt Dr. Fuchs.



„Wir betreiben keine Teststationen, die frei angefahren werden können, weil jemand denkt, er könnte sich einmal testen lassen“. Sonst bestehe laut Gesundheitsamt die Gefahr, dass die Menschen, die wirklich getestet werden müssen, untergehen. Wer zum Abstrich kommen soll, entscheiden die Vertragsärzte der KVB. Das heißt, die Haus- und Fachärzte informieren ihre Patienten und bestellen sie hin, wenn der Verdacht auf eine Infektion besteht. Bestenfalls meldet man sich über die 116117 und lässt sich dann von den Fachkräften leiten. Wenn seitens der Ärzte ein medizinisch begründeter Corona-Verdacht festgestellt wird, erfolgt eine Anmeldung der zu testenden Person bei der zentralen Teststelle.

Hier wird kontrolliert, wer eingeladen ist und wer nicht.



Mehrere Stationen

Wer nicht ausdrücklich eingeladen wurde, wird deshalb an der Kontrollstelle wieder abgewiesen und abgeleitet. Alle anderen Autofahrer werden auf den Parcours durch den Bauhof und den Innenhof der Berufsschule geleitet. Der nächste Stopp ist dann ein vom THW errichtetes Zelt, das von der Feuerwehr Adlitz zur Verfügung gestellt wurde. Dafür musste aber erst eine Wiese geschottert und planiert werden, und das Zelt auf eine Durchfahrtshöhe von 2,70 Meter aufgebockt werden. Eine Mammutaufgabe für das THW, dessen Helfer alleine am Freitag von 13 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit tätig waren.

„Schottern und Hochbocken“. Das THW im Einsatz. Fotos: Roider

Sind die zu testenden Personen, die ihr Auto nicht verlassen dürfen, im Durchfahrtszelt angekommen, registriert ein Team aus Ärzten, Sanitätern und Helfern dann die Testpersonen, die Versichertenkarte wird eingelesen und der Abstrich vorgenommen. Das EDV-Team kümmert sich um die Verarbeitung und die Testpersonen können dann über ein Leitsystem wieder auf die Pfarrer-Dr.-Vogl-Straße ausgeschleust und in den Verkehr eingereiht werden. Meterhohe Sichtschutzzäune schützen die Betroffenen bei der Aktion vor Blicken der Anwohner und Gaffern auf der Straße. Aber auch die Anwohner profitieren vom Schutz, weil wartende Probanden nicht in die Gärten oder Wohnzimmer schauen können.



Am Ende des Zeltgangs liegt der EDV Bereich.

Kapazitäten könnten erweitert werden

Ausgelegt sei die Pegnitzer Teststation derzeit für 200 Testungen in drei Stunden, sagt Dr. Fuchs bezugnehmend auf den Zeitraum von 13-16 Uhr. Zwei Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung entnehmen in dieser Zeit bei den Betroffenen tiefe Nasen – und Rachenabstriche, die dann in der Folge über einen eingerichteten Fahrdienst in ein Labor nach Unterfranken gebracht werden. Dr. Fuchs berichtete in einem exklusiven Pressegespräch mit Bayern-Reporter, dass man die Kapazitäten auch noch erweitern könnte. Es sei denkbar, dass die Teststrecke auch am Vormittag genutzt werde; beispielsweise durch niedergelassene Hausärzte und Fachärzte. „Wir werden sehen, wie sich alles einspielt“, sagt Fuchs.



Patienten auch aus Mittelfranken und Oberpfalz

Denkbar ist auch eine bereichsübergreifende Einbestellung der Patienten. So wurden in den letzten Tagen beispielsweise Patienten aus Pegnitz auch in Nürnberg getestet. Über die Zuteilung entscheidet allerdings die KVB. Wie unsere Redaktion erfahren hat, können auch Patienten aus Mittelfranken und der nahen Oberpfalz einbestellt werden.

Viel Wert legte Iris Fuchs auf umlaufende Wege und „schwarz-weiße“ Bereiche. Also den schlüssigen Verlauf sowie einer reinen und einer unreinen Seite. Das sei vor allem für die Gesundheit der Helfer wichtig. Hier ist die Berufsschule das ideale Gebäude dazu, weswegen sie auch der Schulleitung Danke sagen möchte.

Der geplante Verlauf. Grafik: Bayern-Reporter



Fußweg gesperrt, Geschwindigkeit reduziert

Damit es zu keinem Verkehrschaos kommt, haben sich Fuchs und Steger auch mit der Ordnungsbehörde in Pegnitz in Verbindung gesetzt. Demnach wird nicht nur der Gehweg vor der Berufsschule gesperrt und die Fußgänger auf die andere Straßenseite geleitet; auch der Straßenverkehr auf der Pfarrer-Dr.-Vogl-Straße wird beruhigt und auf 30 Stundenkilometer begrenzt. „Das wird sich einige Wochen hinziehen“, glaubt Dr. Fuchs.

Eine große Bitte hat Dr. Fuchs in Bezug auf die Anwohner. Sie hofft auf großes Verständnis und auch Nachsicht. Die Auswahl der Örtlichkeit musste so getroffen werden. Es wird wohl auch zu einem zwangsläufigen Rückstau kommen, der sich nicht immer vermeiden lässt. Dabei kommen Bewohner und Testpersonen auch mal in Sichtkontakt. Dabei sollen natürlich die Persönlichkeitsrechte beider Seiten gewahrt werden. Es herrsche auch striktes Fotografierverbot; sei es für Anwohner oder auch für die Menschen die in den Autos warten müssen.



Man fühle sich laut Fuchs gut gerüstet für diese Krise. In allen Bereichen seien die Mitarbeiter hoch motiviert und konzentriert bei der Sache. Wenn etwas im Echtbetrieb noch nicht so ideal abläuft, wird das in den kommenden Tagen auch noch angepasst. Anwohner können sich bei Problemen an das Landratsamt wenden, sagt Fuchs. Gemeinsam würde man die „Kuh wieder vom Eis bringen“. Auch auf unseren Reporter machte der Ablauf einen hochprofessionellen Eindruck. „Als würde man das schon immer so machen; jedes Jahr“.

Der Sichtschutz steht auch.

Einbruch zwecklos 

In den letzten Tagen kam es vermehrt zu Einbrüchen und Autoaufbrüchen, wo Mundschutz, Desinfektionmittel und andere relevante Güter gelagert waren. Das Landratsamt gibt deswegen ausdrücklich bekannt, dass sich an den Teststationen keine Lagerware befindet. Man bediene sich aus einem geheimen und gut bewachtem Zentrallager und führe lediglich den Tagesbedarf den Teststationen zu.



Achtung: Nach Angaben der Kassenäztlichen Vereinigung Bayern (KVB) sollen Menschen mit akutem Covid19-Verdacht nicht zu den Teststationen kommen. Bitte bleiben Sie zu Hause, kontaktieren Sie die 116117. Der Test selbst ist nicht mehr als ein Abstrich mit einem Wattestäbchen im Nasen- und Mundraum, das dann an ein Labor geschickt wird. Im Normalfall dauert es einen Tag, bis die Ergebnisse da sind. Dann werden negativ getestete Personen entweder über SMS oder in der Presse informiert. Die Virenträger werden angerufen und über das dann notwendige Verhalten aufgeklärt.



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